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Ein Interview mit Elaf Sulaiman - TV Neheim e.V.

„Schön festhalten“, ermahnt Elaf Sulaiman die kleine Daphne, die gerade versucht, eine schmale Rampe zu erklimmen, „sonst fällst Du.“ Wenn die Übungsleiterin ihren Eltern-Kind-Kurs beim TV Neheim leitet, dann kümmert sie sich nicht nur rührend um den Nachwuchs, sondern übt auch für sich selber. „Natürlich habe ich einen Deutschkurs besucht, aber wirklich gelernt habe ich die Sprache beim Sport“, erzählt die 21-Jährige, die aus dem Irak über die Türkei nach Deutschland geflohen ist. In der Tat beherrscht sie die Sprache schon recht gut. Und sie liebt Kinder. Mit Sohn Deniz und mit ihrem Mann Ameer lebt sie seit drei Jahren in Arnsberg, nach einer Odyssee über München, Düsseldorf, Viersen und Soest... Trotz ihrer jungen Jahre strahlt sie große Reife aus – und ist Optimistin: „Schwierigkeiten gibt es nicht, nur anpacken zählt“, ist ihr geradezu trotziges Motto. Sagt sie und stützt Daphne beim nächsten Schritt.

Für das Ehepaar ist der Sport ein wichtiger Anker auf ihrem Weg Fuß zu fassen. „Wir sind beide sehr sportbegeistert, Sport macht Spaß und schafft Kontakt“, sagt sie. Über Ameer, der im Irak Sportlehrer war, fanden die beiden so den Weg in das Projekt „Willkommen im Sport“. Dessen Ziel ist es, Geflüchtete entsprechend zu qualifizieren. Mit der Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln – und mit einer Ausbildung in Kontakt zu Vereinen, Schulen oder Kitas zu treten. In diesem Rahmen haben beide das Basis- und Aufbaumodul der ÜL-C Ausbildung absolviert und waren in verschiedene Projekte des KSB Hochsauerlandkreis eingebunden. Elaf Sulaiman hat ein Streetsoccer Turnier begleitet und zwei Sportkurse für Frauen durchgeführt – und schließlich den Weg zum TV Neheim gefunden. Der erlaubte Zusatzverdienst zu dem, was sie über das Jobcenter erhalten, ist eine willkommene Aufstockung der knappen Haushaltskasse. Franziska Geise, die als Fachkraft „Integration durch Sport“ beim KSB das Programm begleitet, ist begeistert: „Sie wollten immer vorwärtskommen. Und wenn bei uns Not am Mann ist, kann ich die beiden jederzeit ansprechen.“

Trotz der Hilfe des Sports ist der Weg des Paares eine stete Herausforderung. Was es heißt, sein Heimatland verlassen zu müssen, deutet Ameer nur an: „Nachts liege ich oft wach. Wir wissen nicht, wie es unseren Verwandten im Irak geht. Wir haben keinen Kontakt. Es ist zu gefährlich.“ Doch der 29-Jährige, der sich beim TV Arnsberg als exzellenter Badmintonspieler erweist – im Mai wurde er dort Stadtmeister im Doppel – klagt nicht. Dennoch: „Mein Abschluss als Sportlehrer ist in Deutschland noch nicht anerkannt, die Papiere sind unterwegs.“ Arbeit zu finden sei trotz vieler Bemühungen nicht einfach. Aber aufgegeben ist nicht. Mit Erfolg: Es gibt Licht am Ende des Tunnels: „Demnächst können wir Deniz in den Kindergarten geben und wir haben beide Vollzeitstellen als Schulbetreuer.“ Elaf strahlt: „Dann stehen wir auf eigenen Beinen. Endlich!“

Text Michael Stephan

Foto Andrea Bowinkelmann (LSB NRW)

Magazin des Landessportbundes NRW (06.2019)


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