Cricket-Abteilung des TV Pflugfelden leistet wichtige Integrationsarbeit

Seit anderthalb Jahren hat der TV Pflugfelden eine Cricket-Abteilung, in der er Geflüchtete integriert. Die Damen spielen bereits in der Bundesliga

Erfolgreich und integrativ: die Cricket-Spieler des TVP
Erfolgreich und integrativ: die Cricket-Spieler des TVP

Der Deutsche Cricket Bund zeichnete im November 2017 den TV Pflugfelden (TVP) als besten Verein Deutschlands aus. „Das ist für uns einmalig, davon haben wir nicht mal geträumt“, sagt der Abteilungsleiter Ruwantha de Silva.
Denn die Cricket-Abteilung des TVP ist nicht einmal zwei Jahre alt. Im Juli 2016 hat sie sich gegründet und seitdem aber rasend schnell entwickelt. Das hat auch damit zu tun, dass seit 2015 sehr viele Geflüchtet nach Deutschland gekommen sind. Darunter viele aus Ländern, in denen Cricket gespielt wird. Ursprünglich wollten das Team um de Silva einen neuen Verein gründen, als es sehr viele Geflüchtete das Cricket spielen wollten und ihn darauf angesprochen haben. Weil aber gleichzeitig der TVP einen Cricket-Trainer suchte, um selbst etwas für Geflüchtete zu tun, beschlossen sie sich dem Ludwigsburger Stadtteilverein als Abteilung anzuschließen. Mittlerweile zählt die Abteilung fast 120 Mitglieder in fünf Mannschaften, davon 80 Geflüchtete. In den Mannschaften spielen aber auch Deutsche mit, denen die Geflüchteten und andere Mitglieder mit Migrationshintergrund die Sportkultur aus ihrem Geburtsland näherbringen. Darunter sind etwa Spieler aus Pakistan, Afghanistan, Syrien oder eben Sri Lanka, aus dem auch Ruwantha de Silva vor ca. 15 Jahren zum Studieren nach Deutschland gekommen ist. Auf diese Weise will der TVP einen Beitrag zur Integration leisten.
 „Die Integration der Flüchtlinge ist für uns das Hauptthema“, sagt de Silva. Er und seine Mitstreiter haben die Abteilung aber breiter aufgestellt. Das hat damit zu tun, dass Geflüchtete nach ihrer Ankunft in Deutschland häufig noch einmal den Aufenthaltsort wechseln müssen, also keine dauerhafte Teilnahme am Trainings- und Spielbetrieb garantieren können. „Daher haben wir mit den Migranten und Deutschen, die in Ludwigsburg leben und arbeiten, ein zweites Standbein in unserer Abteilung.“ Denn das Ziel der Abteilung sei auch, die Sportart in Deutschland bekannter zu machen.
Die beiden Herren-Teams spielen in der Regionalliga, die Damen sogar schon in der Bundesliga. Dazu gibt es eine U19-Mannschaft sowie ein Kinder-Team. Die unterschiedlichen Religionen der Spieler wie Christentum, Islam, Hinduismus oder Buddhismus spielten dabei keine Rolle, versichert de Silva. „Bisher hatten wir noch nie mit Religion zu tun, das ist kein Thema beim Sport.“ Dass die zugewanderten Menschen einen Sport aus ihrer Heimat treiben, hält der TVP-Integrationsbeauftragte Michael Sanzenbacher für den besseren Weg, als sie zum Beispiel Handball oder Fußball spielen zu lassen. „Die jungen Leute hätten vielleicht am Anfang mitgemacht, aber man hätte sie wohl nicht langfristig binden können“, meint Sanzenbacher. „Jetzt sind sie mit Interesse dabei und haben eine Aufgabe, mit der sie sich auskennen. Cricket ist für sie auch ein Stück Heimat.“ Er sei sich fast sicher, dass das mit einer anderen Sportart nicht so gut und so lang funktioniert hätte.
Um ihre Integration zu fördern, tut der TV Pflugfelden auch einiges neben dem Sport wie Deutschunterricht und Kurse, damit seine Mitglieder sich in Deutschland besser zurecht zu finden können. Zudem engagiert sich der TVP mit drei Cricket-AG’s im Ludwigsburger Schulsport. Ganz reibungslos lief die Einbindung im Verein aber nicht. Das hatte auch mit Geld
zu tun, räumt Sanzenbacher ein. Schließlich zahlten die Geflüchteten zunächst keine Beiträge, erhielten vom Verein aber Unterstützung für ihre Ausrüstung. Die Abteilung bemühte sich dann aber um eigene Sponsoren, zudem wird der Verein über den WLSB im Rahmen des Bundesprogramm „Integration durch Sport“ (IdS) gefördert.
„Das Thema Geld war dann ziemlich schnell geklärt“, sagt Sanzenbacher. Unsere Fußballer konnten sich zudem nicht ganz einfach damit abfinden, dass die Cricket-Damen als erste Mannschaft des Vereins überhaupt in der Bundesliga spielen. Das habe sich aber auch gelegt.
Matthias Jung, (Bild: TV Pflugfelden-Cricke)


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