Die integrative Macht des Sports

Der Integrationslotse Hassan Waseem trainiert die Kummerfelder Cricket-Mannschaft auf Bundesliga-Niveau, die aus einem international besetzten Team mit Flüchtlingen und schon länger im Pinneberger Raum lebenden Cricket-Spielern besteht. „Der sportliche Erfolg ist nicht das Wichtigste“, betont Hassan Waseem, Gründer und Leiter der Cricket-Abteilung des Kummerfelder SV (KSV). Das lässt sich leicht sagen, wenn die Ergebnisse stimmen. Und das ist bei den Cricket-Cracks definitiv der Fall.

Cricket 7
Cricket 7

Die erst vor zwei Jahren gegründete Sparte spielt bereits in der Bundesliga, wurde in der abgelaufenen Saison Vize-Meister und ist als zweitbeste Mannschaft Deutschlands eines der sportlichen Aushängeschilder im Kreis Pinneberg. Die Triumphe nehmen Waseem, der auch selbst mitspielt, und seine Mitstreiter gerne mit. Doch dass diese nicht im Vordergrund stehen, ist mehr als eine Floskel. Die Cricket-Spieler des Kummerfelder SV zeigen, dass Integration funktionieren kann.

Fotos: Tag des Sports, Spieler und Trainer um Hassan Waseem

Syrien, Pakistan, Simbabwe, Afghanistan, Dänemark und einige andere Spieler aus mehr als zehn Nationen gehören der Mannschaft an. „Viele von ihnen sind Flüchtlinge“, berichtet Waseem. Der 32-jährige will dafür sorgen, dass sie sich dank ihrer Cricket-Leidenschaft in der neuen Heimat zurechtzufinden. „Wer Sport treibt, denkt nicht an das, was er verloren und erlebt hat“, so der Abteilungsleiter. Sein unermüdlicher Einsatz führte dazu, dass er seit Anfang 2018 einer der Integrationslotsen des Landessportverbandes ist und sich um Cricket-Liebhaber in ganz Schleswig-Holstein kümmert.

Viele von ihnen stammen aus Ländern, in denen Cricket Nationalsport ist. Der vertraute Sport biete ihnen ein Stück Heimat, erklärt Waseem. Er selbst spielte früher Fußball und war Jugendtrainer in Kummerfeld, als sein Sohn dort kickte. Die Cricket-Begeisterung übernahm der in Pinneberg wohnende Kfz-Sachverständige und Taxiunternehmer von seiner Frau, die ebenso wie er pakistanische Wurzeln hat. Da er den Vorstand des Kummerfelder SV durch seine Trainertätigkeit kannte, fragte der Vater dreier Kinder, ob dort Interesse an der Gründung einer Cricket-Abteilung bestünde und rannte mit dem Vorschlag 2016 offene Türen ein.

Was daraus werden sollte, übertraf seine Erwartungen. Die Abteilung besteht inzwischen aus drei Herren- und zwei Jugendteams. Demnächst soll eine Frauen- Mannschaft dazu kommen. Der Boom sorgte auch überregional für Aufmerksamkeit. Der Deutsche Cricket Bund kürte die Kummerfelder 2017 zu den „Newcomern des Jahres“. Waseem selbst wurde außerdem zum Manager des U19-Nationalteams ernannt. Multi-Kulti ist für die Cricket-Spieler nicht nur ein Wort, sondern wird tatsächlich gelebt. „Der Flüchtlingsboom tut unserem Sport gut“, sagt Waseem (red. Anm.: Sogar aus England ist schon ein Trainer umgezogen nach Lübeck und betreut dort ein neues Cricket-team!).

Die Trainingseinheiten der Kummerfelder sind alle auf Deutsch. Dadurch sollen die Migranten motiviert werden, die Sprache zu lernen. Das sei für die Integration zwingend erforderlich, betont der 32-Jährige. Deshalb bietet die Cricket-Abteilung auch Deutschunterricht an. Die Hilfe beschränkt sich aber nicht nur darauf. Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen, Begleitung bei Behördengängen, Tipps für die Wohnungssuche –Waseem ist immer für seine Spieler da. Er sei zwar in Deutschland geboren. „Ich weiß aber von meinen Eltern, wie schwierig es ist, sich in einem fremden Land zurechtzufinden.“

Kummerfeld hat sich zur Cricket-Hochburg entwickelt und hilft dabei Flüchtlingen. Das ist finanziell allerdings ein Spagat. Der Abteilung steht zu wenig Geld zur Verfügung, um Sport und Integration auf Dauer zu bezahlen. Nicht jeder in der Mannschaft ist in der Lage, Mitgliedsbeiträge zu überweisen. Manchen fällt es schwer, die Kosten für die Fahrt zu Spielen und Training aufzubringen. „Wir bräuchten dringend zusätzliche Sponsoren“, sagt der Integrationslotse. Ehrenamtliche, die etwa beim Sprachunterricht helfen oder die Flüchtlinge bei Behördengängen unterstützen, sind ebenfalls willkommen. Auch wenn der Sport nicht die Hauptrolle spielt: Ganz unwichtig sind Waseem die Resultate nicht. „Einmal Deutscher Meister werden“, antwortet Waseem auf die Frage nach künftigen Zielen.  


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