Ehrenamt und Pickleball in Augsburg

In einer Interview-Reihe zu ehrenamtlich Engagierten im Programm „Integration durch Sport“ (IDS) werden im BLSV-Magazin „bayernsport“ Personen vorgestellt, die sich in herausragender Weise für die integrative Arbeit in Sportvereinen engagieren. Sie setzen sich für die Integration von Menschen mit Migrations- und/oder Fluchterfahrung in den Sport und in die Gesellschaft ein.

Pickleball in Augsburg. Foto: Nikolov/IDS
Pickleball in Augsburg. Foto: Nikolov/IDS

„Pickleball, was ist das?!“ Das fragte sich auch Farouk Mohammad, als er Mitte 2016 als ehrenamtlich Engagierter zum Programm „Integration durch Sport“ im Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) stieß. Der 22 Jahre alte Syrer ist Krankenpflegefachhelfer im Zentralklinikum Augsburg und macht ab Oktober 2018 eine Ausbildung zum Krankenpfleger auf der dortigen Kardiologie. Nebenbei unterstützt er Migranten, Migrantinnen und Geflüchtete in Augsburg bei der Suche nach einem passenden Sportangebot in den zahlreichen Vereinen in Augsburg – und hat dabei auch selbst eine neue Heimat im Ersten PickleBall Club Deutschlands in Augsburg gefunden.

Bayernsport: Seit knapp zwei Jahren bist du in Augsburg für IDS tätig und vermittelst unter anderem Geflüchtete aus Gemeinschaftsunterkünften und Schulen in Fußball-, Schwimm- und Pickleball-Angebote in verschiedenen Sportvereinen. Wie bist du zu diesem Engagement gekommen und wie sieht deine Arbeit genau aus?

Farouk: Ich bin seit circa drei Jahren in Augsburg und habe mich von Anfang an ehrenamtlich für die Integration eingesetzt. Darüber habe ich dann im Mai 2016 auch Plamen (Nikolov, IDS-Bildungsreferent in Schwaben, Anm. v. bayernsport) kennengelernt, der mich als ehrenamtlich Engagierter für IDS angeheuert hat. Seitdem bin ich gewissermaßen eine „Brücke“ zwischen Sportvereinen und Zugewanderten in Augsburg. Neben der Vermittlung in Sportangeboten halte ich auch Vorträge in Schulen und Unterkünften über das Schul- und Ausbildungssystem in Deutschland und erzähle dabei auch immer vom Programm „Integration durch Sport“.

Bayernsport: Und wie hast du deine Liebe zu Pickleball entdeckt? Das ist ja eine (noch) eher ungewöhnliche Sportart in Deutschland …

Farouk: (lacht) Das war eigentlich ein großer Zufall. Zu Beginn meines Engagements bei IDS habe ich mir das Training im Pickleball Verein einmal angeschaut und es hat mir sofort super gefallen. Ich habe dann nach und nach immer mehr Freunde und auch meine vier Geschwister mitgenommen, so dass wir nun um die zehn neue Spieler sind, Männer, Frauen und Kinder. Mein treuester Mitspieler ist allerdings mein Cousin (schmunzelt). Mit ihm spiele ich nun schon seit zwei Jahren jeden Freitag Pickleball.

Bayernsport: Gegründet wurde der Erste Pickleball Club Deutschlands ja erst in 2013 und der in Deutschland neue Ballsport wurde damals auch im Hochschulsport in Augsburg vorgestellt. Seit 2014 ist die US-amerikanische Sportart u.a. auch vom BLSV anerkannt und 2016 gab es das erste Pickleball Treffen Deutschlands hier in Augsburg. Was genau fasziniert dich so sehr an dieser noch jungen Sportart?

Farouk: Wo fange ich da an? Zuallererst einmal ist Pickleball eine Sportart, bei der Kinder, Frauen und Männer alle gemeinsam Sport machen können. Der Verein hat bislang circa 30 Mitglieder von 10 bis 75 Jahren, darunter Deutsche, Migranten und Geflüchtete. Und alle haben gemeinsam Spaß! Es ist einfach lustig, wenn wir alle zusammen trainieren und Fortgeschrittene den Anfängern die Spielregeln erklären. Wir kommunizieren sehr viel, jeder hilft jedem. Das hat zur Folge, dass Migranten und Geflüchtete ihre Sprachkenntnisse unglaublich schnell verbessern. Diese Beobachtung konnte ich an mir selbst machen und auch an allen anderen, die mit uns trainieren. Auch ist es großartig, dass Frauen und Männer hier gemeinsam Sport machen. So ist eine Mitspielerin eine Syrerin, die mit Kopftuch auf dem Platz steht und ihren Sohn mitbringt, damit er für sie übersetzt, wenn sie nicht mehr weiter weiß.

Bayernsport: Und wie sieht euer Vereinsleben über das Training hinaus aus?

Farouk: Alle Mitspieler versehen sich sehr gut und haben zusammen viel Spaß. Neben dem Training gibt es auch Treffen im Verein, zu denen Frau Gurland (Bärbel Gurland, Gründerin des Ersten Pickleball Club Deutschlands, Anm. v. bayernsport) regelmäßig einlädt. Und wenn neu Hinzugekommene Fragen oder Probleme – auch im Alltag – haben, erhalten sie immer Hilfe und Unterstützung.

Bayernsport: Jetzt haben wir schon so viel über Pickleball gesprochen und ich weiß immer noch nicht genau, was sich dahinter eigentlich versteckt …

Farouk: Das Wichtigste zuerst: Es ist einfacher als Fußball und man muss nicht so viel rennen (lacht). Im Winter spielt man es in der Halle, im Sommer draußen – was es zusätzlich attraktiv macht. Grundsätzlich ist Pickleball eine Mischung aus Badminton, Tennis und Tischtennis, ist aber leichter zu spielen und zu erlernen. So ist die Fluggeschwindigkeit des Balls zum Beispiel viel langsamer als beim Tennis, und der Platz ist nur knapp ein Drittel so groß wie ein Tennisplatz. Trotzdem ist ein Spiel unter fortgeschrittenen Spielern sehr dynamisch und erfordert viel Konzentration und eine gute Hand-/Augen-Koordination.

Bayernsport: Zum Schluss noch eine etwas große Frage: Was wünschst du dir für deine Zukunft?

Farouk: Ich möchte meine Ausbildung zum Krankenpfleger erfolgreich abschließen und mich weiterhin bei IDS dafür engagieren, dass Sportvereine und Neuzugewanderte in Augsburg zueinander finden. Ein wichtiges Ziel, auf beruflicher und persönlicher Ebene, ist für mich, weiter aktiv darauf mit hinzuwirken, dass Migranten und Geflüchteten zunehmend Möglichkeiten in der deutschen Gesellschaft offenstehen und sie diese auch ergreifen. Ganz besonders liegen mir dabei Frauen und Mädchen mit Migrations- und Fluchthintergrund am Herzen. Ich wünsche mir, in Zukunft noch mehr von ihnen für Sportangebote wie Pickleball oder Schwimmkurse begeistern zu können.

TEXT: Laura Verweyen/IDS


  • Pickleball in Augsburg. Foto: Nikolov/IDS

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