"Eiche Horn ist meine deutsche Familie!"

Als Vertreter*innen des TV Eiche Horn im Jahr 2013 mit dem Angebot eines regelmäßigen Fußballtrainings auf das, damals neu errichtete, Wohnheim für Geflüchtete in der Berckstraße zugingen, hatten sie noch keine Idee davon, was sich daraus entwickeln würde. Durch fleißige Spenden von den Vereinsmitgliedern konnten Fußballschuhe gekauft und Trainingsbekleidung gesammelt werden. Und schon konnte man sich einmal die Woche auf der Bezirkssportanlage an der Curiestraße treffen, um dort gelegentlich gegen andere Hobby- und Freizeitfußballer anzutreten.

Dies ging zunächst anderthalb Jahre lang, ehe bei den Jugendlichen der Wunsch aufkam, mit in den Verein genommen zu werden. Bei den Trainern stieß man damit auf offene Ohren und mit pädagogischer Begleitung trainierten die Jugendlichen fortan bei den B- und A-Jugendmannschaften des TV Eiche Horn mit. "Gegen gute Fußballer wehrt sich niemand!" lacht Ilka Böttcher, die die Jugendlichen über die ganze Zeit begleitete. Im Verein selbst, genauer gesagt in den betroffenen Mannschaften, brach fortan eine spannende Zeit an, da im Stadtteil Horn sonst kaum bis keine Erfahrungen mit Geflüchteten bestehen. Der Wille war jedoch von allen Seiten vorhanden und so wurden die "Neuen" in die Whatsapp-Gruppen der Spieler aufgenommen oder auch für Geburtstage eingeladen und aus den Heimen abgeholt.

Doch auch hier kam man nicht ohne Probleme aus. Viele der Jugendlichen befanden sich in einer sogenannten "Inobhutnahme", was bedeutet, dass sie nur jeweils 3 Monate an einem bestimmten Ort sind, ehe sie eventuell umquartiert werden. Dies bekamen auch die Vereinsmannschaften zu spüren und so gab es im Jahr 2014 allein in der B-Jugend eine Fluktuation von fast 30 Geflüchteten (von den letztlich vier geblieben sind und sich nun in den Herrenmannschaften wiederfinden). Und dennoch: auch wenn viele nun über mehrere Stadtteile Bremens verteilt waren, kamen einige zum Sport zurück nach Horn. "Eiche Horn ist meine deutsche Familie!"

Das Jahr 2015 bedeutete dann einen großen Einschnitt, als knapp 600 unbegleitete jugendliche Geflüchtete im Stadtteil ankamen, von denen viele auch Fußball spielen wollten. Das Angebot wurde also aufrecht erhalten mit dem Ergebnis, dass noch immer gut 80 Jugendliche zum Training erschienen, welches zweimal wöchentlich stattfand. Unterstützung erfuhr Ilka Bötcher diesmal von zwei Übungsleitern, die ebenfalls über Fluchterfahrung verfügten. Um dabei erste Wettkampferfahrungen sammeln zu können, nahm man an diversen hiesigen Turnieren teil. Der Sommer bahnte sich auch in Bremen an und mit ihm der Ramadan, was die Gruppe nach und nach zur Auflösung zwang. Was sich auf den ersten Blick ewas traurig liest, ist auf den zweiten Blick ein voller Erfolg, da zu Saisonbeginn in der Sommerpause sage und schreibe (!) 30 Geflüchtete aus der Gruppe in Vereinsmannschaften integriert werden konnten. "Unser Ziel ist es ja nicht, dass die in einer Flüchtlingsmannschaft spielen", so Ilka Böttcher dazu.

Mittlerweile zahlt sich die gute Integrationsarbeit des Vereins auch aus. "Wir haben eine sehr junge, erste Herrenmannschaft, in der einige Geflüchtete spielen!" Und dies ist nur ein Aspekt der erfolgreichen Horner Integrationsarbeit.

 

(Marcel Rossa)


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