Erste Hilfe ohne Sprachbarriere

Durch einen absolvierten Erste-Hilfe-Kurs können sich Flüchtlinge besser in ihrem Verein einbringen. Doch oftmals ist die Sprachbarriere zu hoch. „Integration durch Sport“ will hier mit einem regelmäßigen Angebot Abhilfe schaffen.

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Seit den Flüchtlingswellen der vergangenen Jahre sind tausende von Menschen aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern im Saarland und ganz Deutschland in Sportvereinen aktiv. Der Sport ist eine Möglichkeit für die Flüchtlinge, soziale Kontakte zu knüpfen, einen gewissen Rhythmus in ihre Woche zu bringen und die körperlichen Torturen der Flucht zu bekämpfen. Zudem ist es eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die vielen Flüchtlingen die Beschäftigungslosigkeit erträglicher macht.

Mittlerweile sind viele der in den saarländischen Sportvereinen untergekommenen Männer und Frauen gut integriert und haben so viel Vertrauen in ihr Umfeld gefasst, dass sie sich auch an weiterführende Aufgaben heranwagen. Als Übungsleiter beispielsweise ist die Sprachbarriere relativ niedrig, die Kommunikation verläuft einfach. Allerdings fehlt es vielen Flüchtlingen an den nötigen Qualifikationen, denn um als Übungsleiter tätig zu werden, bedarf es unter anderem eines Erste-Hilfe-Kurses. Dieser wiederum setzt ein ganz anderes sprachliches Niveau voraus und macht es Interessierten nahezu unmöglich, sich in ihrem Verein zu engagieren.

„Integration durch Sport“ sah hier die Notwendigkeit, Abhilfe zu schaffen. Bereits 2016 veranstaltete das Programm deshalb einen Erste-Hilfe-Kurs speziell für Flüchtlinge. In Kooperation mit den Maltesern in der Gemeinde Nohfelden wurde das Pilotprojekt in Nohfelden durchgeführt. Der Testlauf war für Vereine und Teilnehmer kostenfrei. „Wir hatten sehr guten Zuspruch“, erzählt Simon Kirch, Programmleiter von IdS. „Der Erste-Hilfe-Kurs ist wichtig für die Ausbildung im Regelbetrieb eines Sportvereins. Die Alltagssprache oder das Fußballvokabular sind schnell angeeignet. Aber das Sprachvermögen reicht oft noch nicht für das spezielle Vokabular.“

Mithilfe von Dr. Taher Ghifar, einem promovierten Arzt aus Syrien, konnte die Sprachbarriere überwunden werden. Dr. Ghifar ist engagiertes Mitglied des Landkreises St. Wendel und unter anderem Vorsitzender des interkulturellen Vereins, der mit dem SV Gonnesweiler kooperiert. „Er hat das fachliche Wissen und die notwendigen Deutschkenntnisse“, so Kirch. Dr. Ghifar, der derzeit auf eine Chirurgenstelle wartet, hat übrigens die Ehre, die Flüchtlinge beim Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung am 20. Juni in Berlin zu vertreten. Weitere Erste-Hilfe-Kurse mit seiner Unterstützung sind derzeit in Planung.

 

Text: Tina Klinkner

Quelle: SaarSportMagazin Mai/Juni 2017 


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    Foto: Schlichter

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