„Es war ein außergewöhnlicher Moment in unserem Leben“

Seit 2015 ist der 20. Juni als Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung festgelegt. In jedem Jahr findet in Berlin eine Gedenkstunde anlässlich all der Vertriebenen und Flüchtlinge weltweit statt. 2017 war auch ein saarländischer Verein zu Gast in Berlin.

Foto: BMI
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Für das Saarland war der Gedenktag in diesem Jahr ein ganz besonderes Datum, denn der FV Gonnesweiler war zu der Veranstaltung eingeladen. Und nicht nur das: Dr. Ghifar Taher Agha, selbst Flüchtling und ein Integrationsbeauftragter des Vereins, durfte stellvertretend für all jene sprechen, die in Deutschland Schutz und eine neue Heimat gefunden haben.

„Für uns war die Einladung von Taher als Redner eine Ehre und die Möglichkeit, sich als Gemeinschaft im Verein wieder neu mit dem Thema auseinanderzusetzen“, erzählt FVG-Vorsitzender Stefan Kunz. Der Verein reiste mit 15 Personen zu dem besonderen Ereignis nach Berlin, darunter auch mehrere Araber, die sich im Saarland mittlerweile wie zuhause fühlen. Sie alle sind in der Integrationsarbeit aktiv. Kunz: „Alle, die mitreisten, sind Geflüchtete, die ihre Flucht und ihr Ankommen in Deutschland noch mal Revue passieren lassen konnten, oder solche, die ihre Heimat teilen.“ Dr. Ghifar und der Verein waren von dem Bundesinnenministerium, dem Deutschen Olympischen Sportbund und dem Landessportverband für das Saarland nicht zuletzt aufgrund der Verdienste im Programm „Integration durch Sport“ ausgewählt worden. Als Dankeschön für die Einladung brachte der FV Gonnesweiler ein Gemälde aus dem Kunstprojekt „Flucht und Vertreibung“ als Gastgeschenk mit. „Gastgeschenke sind in der arabischen Kultur wichtig“, erklärt Kunz. „Wir wollten uns damit für die Einladung und die tolle Organisation bedanken.“

Zum Gedenktag waren unter anderem auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Rumäniens Staatspräsident Klaus Werner Iohannis sowie der Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche, Dietrich Bauer, im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums in Berlin zugegen. Sie alle betonten, wie wichtig die Erinnerung sei, nicht zuletzt aufgrund der prägenden deutschen Vergangenheit des 20. Jahrhunderts, und dass sich die Geschichte nicht wiederhole. Anschließend berichtete Dr. Ghifar über seine Erfahrungen als Flüchtling. 2013 musste er mit seiner schwangeren Frau und der zweijährigen Tochter vor dem Krieg aus seiner Heimat Syrien fliehen. Während seine Familie vorläufig in der Türkei unterkam, reiste Dr. Ghifar, der seit Juli als Chirurg in einem Krankenhaus arbeitet, weiter nach Deutschland. Zehn Monate dauerte die gefährliche Reise, ehe er im Saarland eine neue Heimat fand. „Im April 2016 konnte endlich meine Frau mit unseren beiden Kindern zu mir ins Saarland – ein Land von Sonne und Liebe – kommen“, berichtete er. Seine berührende Rede wurde mit lang anhaltendem Applaus gewürdigt.

Dr. Ghifar gilt in Nohfelden als „Brückenbauer“ und ist für viele Flüchtlinge in der Gemeinde ein Vorbild. Er fungiert als Dolmetscher und Berater und ist zweiter Vorsitzender des interkulturellen Vereins, der aus dem FVG hervorgegangen war. Auch dort engagiert sich der Chirurg mit Herz und Leidenschaft. Stefan Kunz: „Die Gedenkstunde war für uns alle ein außergewöhnlicher Moment im Leben und hat uns unglaublich viel Mut und Energie gegeben, die Integration fortzuführen. Wir wissen, dass wir eine Botschaft nach außen gesendet haben.“

 

Text: Tina Klinkner

Bildquelle: BMI



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