Geflüchtete im Ehrenamt: Naji Baghdadi trainiert Basketballer der SG Post Süd Regensburg

In einer Interviewreihe zu ehrenamtlich Engagierten bei „Integration durch Sport“ werden in den nächsten Monaten Personen vorgestellt, die sich in herausragender Weise für die integrative Arbeit in Sportvereinen engagieren. Sie setzen sich für die Integration von Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung in den Sport und in die Gesellschaft ein – und profitieren dabei häufig von ihren eigenen Erfahrungen in diesem Bereich.

Die Basketballmannschaft um Naji Baghdadi. Foto: SG Post Süd Regensburg
Die Basketballmannschaft um Naji Baghdadi. Foto: SG Post Süd Regensburg

Naji Baghdadi ist 23 Jahre alt, kommt aus Damaskus, Syrien, und lebt seit knapp 2 Jahren als anerkannter Flüchtling in Deutschland. Er trainiert seit September 2016 eine Basketballmannschaft in der SG Post/Süd Regensburg und hat vor kurzem seine ÜL-C-Ausbildung abgeschlossen. Bei der Jahrestagung des Programms „Integration durch Sport“ (IDS) im März in Regensburg hielt er einen Vortrag zum Thema „Sport und Kultur in Syrien“.

IDS: Naji, wie bist du zur SG Post/Süd Regensburg und zu deinem Engagement als Trainer gekommen?

Naji: Das war eine Verkettung glücklicher Umstände! Ich habe einige Zeit schon bei „Campus Asyl“ in Regensburg in einer Basketballmannschaft gespielt. Dort lernte ich Malte (Malte Wulfinghoff, IDS-Bildungsreferent des Bezirks Oberpfalz, Anm. v. IDS) kennen. Nachdem er hörte, dass ich mich auch schon als Übersetzer beim Bayerischen Roten Kreuz ehrenamtlich eingebracht hatte, frage er mich, ob ich nicht auch Lust hätte, bei der SG Post/ Süd Regensburg eine Basketballmannschaft zu trainieren.

IDS: Welche Gruppe trainierst du im Verein?

Naji: Ich trainiere eine Hobbygruppe, Männer und Frauen Ü18. Momentan sind es 11 Spielerinnen und Spieler und ich als Spielertrainer. Aber es läuft aktuell so gut, dass wir überlegen, uns in der kommenden Saison für die Liga zu melden. Es ist für mich eine neue Erfahrung, eine Mannschaft zu trainieren. In Syrien habe ich zwei Jahre im Verein gespielt, danach, auch aufgrund meiner Flucht, konnte ich nur noch hobbymäßig spielen. Die Rolle als Trainer ist für mich also noch ganz neu, aber super spannend. Und mit der Ausbildung als Übungsleiter C im Breitensport konnte ich viele tolle, neue Anregungen sammeln, wie ich das Training in der Mannschaft aufbauen und verbessern kann.

IDS: Du hast die ÜL-C-Ausbildung also ganz frisch abgeschlossen?

Naji: Ja, ich habe die Ausbildung Anfang dieses Jahres gemacht. Besonders stolz bin ich darauf, dass ich sie komplett auf Deutsch absolvieren konnte. Ich hatte aber auch wirklich viel Glück und viele Leute um mich herum, die mich dabei unterstützt haben. So durfte ich den Abschlusstest mündlich absolvieren. Und die Ausbildung wurde über den Verein unterstützt, da eine Lizenz dort Voraussetzung dafür ist, wenn ich langfristig als Trainer tätig sein möchte.

IDS: Woher kommen deine Spieler? Werden auch gezielt Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete angesprochen?

Naji: Die Mannschaft ist wirklich ganz bunt gemischt. Sie kommen aus Deutschland, Syrien, Rumänien und dem Irak. Einige sind über Campus Asyl zu uns gestoßen, einige sind Studenten. Die meisten sind Anfang 20, wir haben aber auch zwei Spieler um die 40. Das Schöne ist, dass wir uns nicht nur in der Sporthalle sehen. Auch jenseits des Sports verbringen wir Zeit miteinander. Wir kochen zusammen oder treffen uns an der Uni. Diesen Austausch schätze ich sehr. Die Kommunikation passiert immer auf Deutsch – wodurch ich tagtäglich meine Deutschkenntnisse verbessern kann. Ich profitiere also doppelt von meinem Engagement. Einerseits sozial, andererseits sprachlich (lacht).

IDS: Das heißt, dein Engagement als Trainer hat auch positive Auswirkungen auf andere Bereiche deines Lebens?

Naji: Auf jeden Fall. Ich liebe Basketball. Und ich habe ein großes Interesse an anderen Kulturen. Beim Sport und als Trainer lerne ich viele Leute kennen, kann mich mit ihnen austauschen und gleichzeitig Sport treiben. So tue ich etwas für meine Gesundheit, kann andere dabei unterstützen, sich im Sport zu verbessern und lerne selbst jeden Tag etwas dazu.

IDS: Und was sind nun deine weiteren Pläne? Was wünschst du dir für deine Zukunft?

Naji: Ich werde weiter mein Deutsch verbessern. Mit dem Deutschkurs an der Universität Regensburg, der täglichen Praxis mit meinen deutschen WG-Mitbewohnern und den Spielern in meiner Mannschaft werde ich bestimmt bald das erforderliche Niveau erreichen, um auch studieren zu können. Mein Traum wäre es, wenn ich für das Architekturstudium angenommen werde. Und natürlich werde ich weiter die Basketballmannschaft trainieren (lacht).

Die SG Post/Süd Regensburg ist seit 2008 Stützpunktverein für Integration. Der Mehrspartenverein bindet Migrantinnen, Migranten und Geflüchtete in seine diversen Sportangebote ein. Die Basketballmannschaft von Naji Baghdadi trainiert immer dienstags von 19 bis 21 Uhr und freut sich immer über weitere Spieler. Bei Interesse melden Sie sich unter sg@remove-this.postsued-regensburg.de.

Text: Laura Verweyen/IDS


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