Integration auf dem grünen Rasen

Der ESV Lok Seddin in Neuseddin öffnet seinen Verein für Flüchtlinge. Nach anfänglicher gegenseitiger Scheu voreinander sind mittlerweile sogar private Kontakte zwischen Familien entstanden. Für sein Engagement im Bundesprogramm „Integration durch Sport“ erhielt der ESV jetzt den Titel „Stützpunktverein“.

Vereinsvorstand Kurt Moryson (l.) und Vorstandsmitglied Bodo Schade (r.) nehmen von Sieglinde Czeglédi vom Kreissportbund Potsdam-Mittelmark das offizielle Schild und einen Fußball entgegen.
Vereinsvorstand Kurt Moryson (l.) und Vorstandsmitglied Bodo Schade (r.) nehmen von Sieglinde Czeglédi vom Kreissportbund Potsdam-Mittelmark das offizielle Schild und einen Fußball entgegen.

Vielleicht starten die Fußballmannschaften des Eisenbahner-Sport-Vereins (ESV) Lok Seddin Mitte August noch ohne internationale Beteiligung in ihre neue Saison. Doch auf dem Sportplatz an der Kunersdorfer Straße in Neuseddin trainieren schon acht Flüchtlinge aus dem nahen Übergangswohnheim regelmäßig mit der II. Männermannschaft, um in den regulären Spielbetrieb aufgenommen zu werden. „Das Anmeldeverfahren ist allerdings sehr kompliziert und läuft sogar über die FIFA bis zum Heimatland des Flüchtlings, in dem er vielleicht einmal in einem Verein gespielt hat“, erklärt ESV-Vereinsvorstand Kurt Moryson. Unabhängig davon hat der Verein beschlossen, sich auch für die neuen Nachbarn in der Gemeinde Seddiner See zu öffnen. Für ihr Engagement in der Bundesinitiative „Integration durch Sport“ sind die Neuseddiner vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zum „Stützpunktverein“ erklärt worden. Dieser Tage überreichte Sieglinde Czeglédi vom Kreissportbund Potsdam-Mittelmark dem ESV das offizielle Schild und einen Fußball.

„Unter den etwa 30 Freiwilligen, die sich in einer Bürgerversammlung im Sommer 2015 bereit erklärten, den Flüchtlingen bei der Eingewöhnung zu helfen, war auch unser Verein. Bei einem späteren gemeinsamen Fernsehabend im Vereinsraum mit mehr als 20 Einwanderern, bei dem wir uns die spanische Liga anschauten, weil die ihnen besser bekannt ist als die Bundesliga, entstand die Idee, mit den Flüchtlingen ein mal in der Woche auf dem Kunstrasenplatz der Sportanlage zu trainieren“, sagt Moryson.

Dann warteten Vereinsmitglieder im Februar des vergangenen Jahres mit Bällen und mit Leibchen vergeblich auf die Migranten. Zuvor hatten die Sportfreunde Jürgen Fuhrmann, Henri Weiss und Bodo Schade noch eine öffentliche Werbekampagne am Zaun der Sportanlage mit einem DFB-Plakat und dem Vereinslogo darauf gestartet. Die Aktion sollte den Flüchtlingen als auch den Neuseddinern die gegenseitige Berührungsangst voreinander nehmen. Erst nachdem die Sprachbarrieren allmählich fielen, kamen sich beide Seiten auf dem Rasen Stück für Stück näher. Mittlerweile sind sogar schon einige private Kontakte daraus entstanden. Drei Mitspieler konnte der Verein außerdem mit Trikots ausstatten. Vereinsmitglieder hatten alte Spielkleidung zusammengesucht.

Der Sportplatz sei nach gut anderthalb Jahren, in denen jetzt die Flüchtlinge schon in Neuseddin leben, zu einem sozialen Treffpunkt geworden, so Moryson. Die Kinder, die zum Training in den Verein kommen, bringen oft auch ihre Familien mit. Das brachte den Verein auf den Gedanken, das frühere Integrations-Café, das einzugehen drohte, wieder zu neuem Leben zu erwecken. Es soll bei den jeweiligen Punktspielen am Sonntag geöffnet werden, für die sich inzwischen auch viele sportbegeisterte Flüchtlinge interessieren. Die Premiere vor etwa zwei Monaten verlief hoffnungsvoll, so dass der Vorstand beschlossen hat, das Integrations-Café in der neuen Saison fortzuführen.

Hatten sich die Trainer zu Beginn mit den Flüchtlingen noch in gebrochenem Englisch oder mit Gesten verständigen müssen, so läuft die Konversation jetzt meist schon auf deutsch, bekräftigt Moryson. Manche Einwanderer würden bereits fast akzentfrei sprechen, stellt er anerkennend fest. „Man muss auf die Flüchtlinge zugehen und ihre Eingewöhnung aus ihrer Perspektive sehen. Sie wollen den Kontakt zu den Deutschen. Doch ähnlich wie beim Fußballspiel ist es auch mit den Flüchtlingen: Sie brauchen einen Anstoß, sonst kommen sie nicht.“

Quelle: Märkische Allgemeine


  • Vereinsvorstand Kurt Moryson (l.) und Vorstandsmitglied Bodo Schade (r.) nehmen von Sieglinde Czeglédi vom Kreissportbund Potsdam-Mittelmark das offizielle Schild und einen Fußball entgegen.
    Vereinsvorstand Kurt Moryson (l.) und Vorstandsmitglied Bodo Schade (r.) nehmen von Sieglinde Czeglédi vom Kreissportbund Potsdam-Mittelmark das offizielle Schild und einen Fußball entgegen.
    Foto: Beate Kruggel

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