Interkulturelles Vorzeigeprojekt

United Sports e.V. – eine Vereinsgeschichte der besonderen Art, initiiert durch die Islamische Gemeinde Nürnberg

United Sports
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Was verbindet die islamische Gemeinde Nürnberg mit dem BLSV?
Sie gründete vor etwas über einem Jahr den ersten Sportverein einer islamischen Gemeinde in Bayern: Die Islamische Gemeinde Nürnberg. Der Verein „United Sports e.V.“ erwuchs aus den zahlreichen integrativen Sportprojekten der Gemeinde seit 2011. Auslöser zur Gründung des Vereins am 29. November 2015 war der Wunsch, Jugendlichen verstärkt eine sinnvolle Beschäftigung und Perspektiven zu bieten sowie Verantwortungsübernahme zu fördern.
Der Nürnberger Verein mit seinen rund 40 Nationalitäten ist damit ein „Vorzeigeprojekt“ für integrative und interkulturelle Arbeit, die weit über den Sport hinaus strahlt. Von Beginn an wird die sportlichintegrative Arbeit der Islamischen Gemeinde Nürnberg vom Programm „Integration durch Sport“ (IDS) im Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) intensiv beratend begleitet und finanziell gefördert. Seit 2016 ist „United Sports“ einer der mehr als 80 „Stützpunktvereine für Integration“ in Bayern.

Klettern, Kicken, Kajak fahren für den interkulturellen und interreligiösen Dialog
Ein zentrales Anliegen des Vereins ist es, den interkulturellen und interreligiösen Dialog im und durch den Sport zu fördern. Durch integrative Sportangebote für Einheimische, Migranten und Geflüchtete weckt „United Sports“ Interesse am Sport und begeistert für eine Mitgliedschaft im Verein oder für die Ausbildung von Jugendlichen zu Minitrainern und Multiplikatoren.
„Am 29.11.2016 feierten wir unser einjähriges Jubiläum und sind unglaublich stolz darauf, was wir in diesem ersten Jahr des Vereinsbestehens schon alles auf die Beine gestellt haben“, freut sich Hamed Ktari. Er ist Gründungsmitglied und Vorsitzender von „United Sports e.V.“ und kennt den Verein in- und auswendig: „Von Kampfsport über Hallenfußball und Turnen bis hin zu einer Kletterwand in einem ehemaligen Aufzugschacht und erlebnispädagogischen Ausflügen: United Sports bietet ein breites Angebot für Erwachsene, Jugendliche und Kinder.“

Integrative Sportangebote:

„Alle Sportangebote des Vereins sind darauf ausgerichtet, dass Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen miteinander in Kontakt und in Austausch treten können“, erläutert Mark Sauerborn. Der Bildungsreferent im Programm „Integration durch Sport“ in der Region Mittelfanken berät und unterstützt die Islamische Gemeinde und „United Sports“ seit Entstehung der ersten Sportangebote und weiß daher: „Der Verein will als Kulturvermittler und Brückenbauer dienen. Der soziale Antrieb ist bei allen ehrenamtlich Engagierten sehr hoch.“
Außerdem sei der Verein mit seinen unterschiedlichen Angeboten eine ideale Plattform zum Austausch. Beim Klettern, Kajak fahren oder auch beim Billard, Air-Hockey spielen oder Kickern biete sich interessierten Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit, den Islam und die Moschee von einer anderen Seite kennenzulernen. Vorurteile können so spielerisch abgebaut und Gemeinsamkeiten entdeckt werden.

Klettern als Türöffner:
So ist die Kletterwand in einem ehemaligen Aufzugschacht nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern auch eine einzigartige Idee, die jede Woche zahlreiche Klettergruppen zu festen Trainingszeiten, aber auch in offene Angebote zieht. Aus dem gesamten Stadtviertel und darüber hinaus kommen Jungs und Mädels, Männer und Frauen, um hier ihre ersten Schritte an der 15 Meter hohen Wand zu wagen oder ihre fortgeschrittenen Kenntnisse immer wieder aufs Neue zu testen.

Offene Sportangebote für das ganze Stadtviertel:
Beim Hallenfußball sollen Jungen und Mädchen, Einsteiger und Fortgeschrittene angesprochen werden. Dabei geht es nicht nur ums Spielen, sondern in erster Linie darum, in interkultureller Besetzung Sport zu treiben und dabei den Fairplay-Gedanken in den Mittelpunkt zu stellen. Gemeinsam mit den Spielern wurde ein Punktesystem erarbeitet, das sich nicht nur an Toren, sondern auch an Verhalten und Respekt gegenüber Mitspielern, Schiedsrichtern und Zuschauern orientiert. Interessierte Jugendliche – Einheimische, ebenso wie Migranten und Geflüchtete – werden zu Fairplay-Schiedsrichtern und Multiplikatoren/innen ausgebildet, um den erlernten Ehrenkodex an die Teilnehmer/innen weiterzugeben.

Qualifizierung als Schlüssel:
Haroun Aouichi und Rad Mohamed, beide 17 Jahre, sind beste Freunde, Gründungsmitglieder des Vereins und haben sich schon vor fünf Jahren zu Minitrainern ausbilden lassen. Beide sind in jeder freien Minute für den Verein tätig: ob als Trainer des wöchentlichen Kinderturnens, als Fairplay-Schiedsrichter oder als Rapper beim alljährlichen Soccer-Cup. „Bei uns treffen Jugendliche aus über 40 Kulturen aufeinander, Sprachhürden gibt es bei uns aber nicht – immer ist jemand da, der übersetzen kann“, erklärt Haroun stolz. „Wichtig ist auch, dass jeder bei uns seine Talente erkunden und sie auch anderen präsentieren kann – wie beim Bühnenprogramm des Streetsoccer-Cups, bei dem auch einmal eine Ballettgruppe auftritt“, betont Rad.
Energie und Bestätigung ziehen die beiden aus der Freude, mit der die Kinder und Jugendlichen in die Sportangebote kommen und diese Plattform zum Austausch nutzen. „Alle lernen wir hier voneinander, auch über andere Kulturen und Religionen. Wir freuen uns, wenn wir zum Beispiel deutschen Jugendlichen eine Moschee-Führung geben und sie uns mit ihren interessierten Fragen bestürmen. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen, das auf Vertrauen basiert, das wir selbst neuen Teilnehmenden entgegenbringen“, fassen beide zusammen.

Nachhaltig und generationenübergreifend:
„Die Nachwuchsarbeit ist uns im Verein sehr wichtig. Jugendliche wie Rad und Haroun sind die Zukunft des Vereins. Ihr Engagement hat viele positive Auswirkungen: Ihre Eltern sind stolz auf ihre Arbeit, andere Kinder und Jugendliche nehmen sie als Vorbild und möchten wie sie eine Ausbildung zum Minitrainer machen“, lobt Hamed Ktari. Um auch die Eltern in den Verein mit einzubeziehen, bietet der Verein erlebnispädagogische Ausflüge für die ganze Familie an. Bei Höhlenwanderungen oder Kletterausflügen gewinnen die Ehrenamtlichen das Vertrauen der Familien, lassen sie über ein Familienerlebnis erste Erfahrungen mit dem Sport machen und bieten Gelegenheiten zu persönlichem, interkulturellem und interreligiösem Austausch.

Vielfalt verbinden – Christlich-islamische Dialogwochen in Nürnberg:

„United Sports“ und die Islamische Gemeinde engagieren sich seit vier Jahren stark bei den christlich-islamischen Dialogwochen in Nürnberg. Der Verein gestaltet hierfür das Jugendprogramm mit. Gemeinsam klettern, wandern und fahren die Jugendlichen Kajak. Der Sport dient als Brücke, um neben allen Unterschieden Gemeinsamkeiten in Werten und Ansichten zu finden. Nach dem Vorbild dieser Dialogwochen soll es in Zukunft weitere Veranstaltungen zum interkulturellen Dialog geben, unter anderem unter dem Motto „Gemeinsam für Geflüchtete“.
Weitere Pläne für ein erweitertes Sportangebot schmieden Ktari und Sauerborn auch schon: „Wir haben viele Ideen, bei welchen Sportarten wir noch Jugendliche und Erwachsene aus allen Kulturen und Religionen zusammenführen können. In der Zwischenzeit sind alle Interessierten, auch externe Vereinsgruppen, jederzeit herzlich eingeladen, unsere Kletterwand nach Anmeldung kostenfrei zu nutzen.“

Infos und Ansprechpartner

  • Informationen zum Verein „United Sports“ und zur Islamischen Gemeinde Nürnberg finden Sie unter www.ign-info.de
  • Kontakt: Bei Interesse am und Rückfragen zum Verein „United Sports“ wenden Sie sich bitte an IDS-Ansprechpartner Mark Sauerborn, Donato-Polli-Straße 2b, 91056 Erlangen, Telefon 09131-480890, E-Mail: erlangen@sportintegration.de

TEXT: Laura Verweyen


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