Sport hilft beim Einstieg in den Alltag

Flüchtline in Lippe: Hazem Shihab hat sich zum Übungsleiter ausbilden lassen. Der 30-jährige war Mitglied der syrischen Nationalmannschaft im Taekwondo.

Am Eingang des Sportplatzes Hohenloh: Thomas Frank vom Kommunalen Integrationszentrum (links) und Christopher Tegethoff vom KSB (rechts) heißen Hazem Shihab willkommen.
Am Eingang des Sportplatzes Hohenloh: Thomas Frank vom Kommunalen Integrationszentrum (links) und Christopher Tegethoff vom KSB (rechts) heißen Hazem Shihab willkommen.

 „Da kann ich ja einen Job als Model annehmen." Locker hat Hazem Shihab das kleine Fotoshooting über sich ergehen lassen. Es ist ihm anzumerken, dass es ihm Freude bereitet hat. Wie auch die Teilnahme an der Übungsleiter-C-Ausbildung (Basis-Modul). Die hatten der Kreissportbund und das Kommunale Integrationszentrum des Kreises angeboten.

Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern („Das dritte ist unterwegs.") lebt der 30-Jährige nach seiner Flucht aus Syrien im September 2015 in Blomberg, direkt in der Innenstadt. Zwischendurch rutscht schon mal das Wort „Dorf" raus, wenn er über Blomberg spricht. Kein Wunder, hatte Hazem Shihab einst in Damaskaus, im Süden der syrischen Hauptstadt gelebt.

Nun soll ihm der Sport dabei helfen, den Einstieg in den Alltag in Deutschland, in Lippe, in Blomberg zu schaffen. Und das tut er – wie der Familienvater betont. „Der Kontakt ist das Wichtigste, und die Sprache. Die kommt über die persönlichen Kontakte", berichtet Hazem Shihab in einem bereits sehr guten Deutsch. Im „Deutschen Haus" in Blomberg hilft er in der Küche aus und ist dankbar dafür. „Ich bin sehr zufrieden und habe einen sehr netten Chef", fügt Shihab hinzu.

Aber ihm ist es vor allem wichtig, einer weiteren Person zu danken: Hannelore Budde, ehemalige Lehrerin an der Grundschule Am Weinberg. „Ohne sie wäre ich nicht zu dieser Übungsleiter-Ausbildung gekommen", strahlt der Sportler, dem besonders Taekwondo am Herzen liegt. Das ist sein Metier. Wenn er darüber spricht, blüht der Familienvater, der im syrischen Latakia Sport-Pädagogik studiert hat, regelrecht auf.

2000 der Start im Taekwondo, 2001 der erste Meistertitel (vergleichbar mit einer Stadtmeisterschaft), 2003 Erster bei der syrischen Meisterschaft, seit 2004 der 1. Dan (Schwarzgürtel), außerdem war er nach eigener Aussage Mitglied der syrischen Nationalmannschaft. Alle Zahlen spult Hazem Shihab sicher runter.

Klar ist er dabei gewesen, als nun die Übungsleiter-Ausbildung angeboten wurde. „Ein Jahr", berichtet das Taekwondo-Ass, „habe ich in einem Fitnessstudio trainiert, doch Kontakt hatte ich eigentlich nie – außer zum Trainer."

Anders beim Kreissportbund und beim Kommunalen Integrationszentrum. Hier sei es gleich zu persönlichen Gesprächen gekommen, jeder habe einen willkommen geheißen und „man redet miteinander". Für Hazem Shihab steht fest: Er möchte auch in Lippe weiter Taekwondo betreiben oder seine Erfahrungen an andere weiter geben.

Das Passende hat sich noch nicht ergeben, vielleicht klappt es ja bald in Barntrup. Ab 3. Juli sammelt der Sportler außerdem weitere Erfahrungen bei einem Praktikum im TV Lemgo. „Der Sport hilft mir", sagt Hazem Shihab.

Taekwondo lässt ihn aber auch während des Gespräches mit der LZ nicht los. Stolz präsentiert der 30-Jährige Handy-Fotos aus seiner Heimat. Wie aus dem Jahr 2012 als sich die Taekwondo-Sportler bei einem Trainer-Kursus in Damaskus aufgestellt haben, oder aus 2007, als sich Hazehm Shihab in Palmyra vor einer sehenswerten Kulisse in Taekwondo-Pose zeigt. Ein Fotoshooting ganz anderer Art, als das mit der LZ.

Text: Oliver König

Quelle: Lippische Landes-Zeitung

 

Information

Die Übungsleiter-C-Ausbildung (Basis-Modul), die vom Kommunalen Integrationszentrum (KI) des Kreises Lippe finanziert worden ist, haben das KI und der Kreissportbund Lippe in Kooperation angeboten. 15 Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund waren insgesamt 30 Stunden dabei.

„Alle haben mitgezogen und waren interessiert. Eine Wiederholung ist geplant", freut sich Thomas Frank vom KI. Und Christopher Tegethoff, Fachkraft für den Bereich „Integration durch Sport" im KSB, ergänzt: „Neben der Schulung werden ja auch Kontakte geknüpft. Ein Teilnehmer unterstützt das Cricket-Angebot in Lemgo, ein anderer hilft beim Parkour in Lemgo, ein weiterer beim Sportverband Detmold."


  • Am Eingang des Sportplatzes Hohenloh: Thomas Frank vom Kommunalen Integrationszentrum (links) und Christopher Tegethoff vom KSB (rechts) heißen Hazem Shihab willkommen.
    Am Eingang des Sportplatzes Hohenloh: Thomas Frank vom Kommunalen Integrationszentrum (links) und Christopher Tegethoff vom KSB (rechts) heißen Hazem Shihab willkommen.
    Foto: © Egon Penner

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