Vom Flüchtling zum Fußballtrainer

„Alles, was ich und all die anderen taten, die ihre Heimatländer aus verschiedensten Gründen über das Mittelmeer und andere Routen verließen, taten wir, um zu überleben […] Wir alle kämpfen um unser Leben.“ (Auszug aus dem Buch „Ums Überleben kämpfen. Meine Flucht aus dem Sudan und Libyen nach Deutschland“ von Zain-Alabidin Al-Khatir).

(c) LSB Niedersachsen
(c) LSB Niedersachsen

Zain-Alabidin Al-Khatir aus dem Sudan ist ein echter Überlebenskämpfer. Vor knapp vier Jahren flüchtete der Sudanese über Libyen nach Deutschland – und nahm hierfür die lebensgefährliche Überfahrt übers Mittelmeer in Kauf. Seither ist er im Landkreis Hildesheim zu Hause. Zains sportliche Heimat ist der Fußball. Beim Kicken kann er seine Sorgen vergessen.

"Ich war schon immer fußballverrückt"

Fußball ist für mich Spaß und diese Freude möchte ich auch mit anderen Menschen teilen.“ Für ihn kam daher die Ausbildung zum Soccer Refugee Coach wie gerufen. 2018 nahm er am viertägigen Ausbildungslehrgang vom Niedersächsischen Fußballverband (NFV) und LandesSportBund Niedersachsen (LSB) teil, der ihn befähigt, Freizeitmannschaften zu trainieren. Und genau das macht Zain seit mehr als sechs Monaten beim Stützpunktverein MTV Hildesheim. Jeden Samstag trainiert er Kinder zwischen 7 und 11 Jahren und geht in dieser Tätigkeit vollends auf. „Ich war schon immer fußballverrückt  und bin Trainer aus Leidenschaft.“ Dabei geht das Engagement von Zain weit über den Fußballplatz hinaus. So holt er die Kinder zu Hause ab und fährt sie nach dem Training auch wieder heim. „Die Kinder brauchen das und ich mache das wirklich gerne. Denn ohne diesen Fahrservice könnten viele sonst gar nicht erst zum Training kommen.“ Für den Coach ist dieser Service keine große Sache. Im Gegenteil. „Ich bin so dankbar, dass ich hier in Deutschland mit offenen Armen empfangen wurde und genau deshalb möchte ich etwas zurückgeben“, so der 27-jährige.

„Schreiben ist für mich wie Therapie“

Doch Zains Herz schlägt nicht allein für Fußball, sondern auch fürs Schreiben. „Schon als ich auf meiner Flucht nach Europa in Libyen gestrandet war, fing ich an, meine Gedanken aufzuschreiben. Doch ich hatte immer Angst, dass die Notizen in falsche Hände geraten.“  Der Sudanese zerstört seine Aufzeichnungen und fängt erst in Deutschland wieder an, seine Erlebnisse festzuhalten. „Das ist für mich wie Therapie. Ich tue das nur für mich. Ich muss einfach schreiben, um die Bilder aus dem Kopf zu kriegen – und  abends in Ruhe schlafen zu können“ erklärt der angehende Kfz-Mechatroniker.

Zain kann seine Gedanken heute mit anderen teilen. Denn im Juli 2019 ist sein erstes Buch „Ums Überleben kämpfen“ erschienen. Nach der Arbeit und am Wochenende ist der Sudanese unterwegs auf Lesereise, doch für seine Kids ist der Trainer immer da. „Die Kinder liegen mir sehr am Herzen und sind meine Nummer 1. Deswegen hoffe ich, noch ganz lange Trainer sein zu können.“

Ablehnung statt Anerkennung

Und genau das wünscht sich sein Team auch – dass Zain hier Wurzeln schlagen kann und weiter für sie da ist. Versprechen kann er das nicht. „Ich muss weiter kämpfen, denn mein Antrag auf Asyl wurde abgelehnt. Doch so schnell gebe ich nicht auf. Das bin ich mir und meinem Team einfach schuldig.“    

Über das Projekt

Das Projekt „Soccer Refugee Coach“ setzt der Niedersächsische Fußballverband e.V. seit 2016 in Kooperation mit dem LandesSportBund Niedersachsen e.V. um.  Es zielt darauf ab, fußballbegeisterten Menschen mit Fluchterfahrung in praxisorientierten Lehrgängen (24 LE) die Grundlagen des Fußballtrainings zu vermitteln. Der zertifizierte Lehrgang befähigt die Teilnehmer/innen als Trainerassistent/in oder Betreuer/in im Verein zu arbeiten. Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter:

https://www.lsb-niedersachsen.de/soccer-refugee-coach

https://www.nfv.de/nachhaltigkeit/vielfalt/nfv-soccerefugee-coach/

Text: LSB Niedersachsen


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    Foto: (c) LSB Niedersachsen

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