Vereine müssen Haltung zeigen

Digitaler Fachtag „Verein(t) gegen Extremismus und Diskriminierung“

Graphic Recording von Angela Gerlach zu den Inhalten und Ergebnissen des digitalen Fachtags
Graphic Recording von Angela Gerlach zu den Inhalten und Ergebnissen des digitalen Fachtags

Ungleichbehandlung, Diskriminierung und Extremismus sind Realitäten, die zunehmen und auch vor Sportvereinen nicht Halt machen. Vereine übernehmen zwar eine gesellschaftliche Verantwortung, sind aber oft auf diese Themen nicht ausreichend vorbereitet. Dafür brauchen sie Unterstützung. Mit einem digitalen Fachtag „Verein(t) gegen Extremismus und Diskriminierung“, organisiert vom Programm „Integration durch Sport“, haben wir Engagierten für die Themen Diskriminierung und Extremismus erste Handlungsansätze vermittelt.   

Ein Input von Müge Zünbül, Bildungsreferentin und Projektleiterin beim Mobilen Beratungsteam Rechtsextremismus, zu den Begrifflichkeiten Diskriminierung und Rechtsextremismus sowie den Zusammenhängen von Diskriminierung und Extremismus, hat die Teilnehmer*innen in den digitalen Fachtag eingeführt. Etwa 30 Vertreter*innen aus Vereinen, Landes- und Kreissportbünden deutschlandweit waren dabei und kamen am 21. August virtuell zusammen. In verschiedenen Workshops haben sich die Teilnehmer*innen auseinandergesetzt und diskutiert, wie im Vereinsalltag gute Lösungen und Handlungsansätze etabliert werden können.

Rituale, Traditionen und Werte eines Sportvereins wollen von Mitgliedern nicht aufgegeben werden und gleichzeitig gilt es, gegenüber Neuentwicklungen offen zu sein, Fremdes zuzulassen und neue Wege zu gehen – oftmals ein Spannungsverhältnis. Sportgruppen werden vielfältiger und damit auch unterschiedlicher. Sportvereine, die sich zukunftsfähig aufstellen und ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen wollen, können sich vor einer vielfältigen Mitgliedschaft nicht verschließen. „Es ist wichtig, Angebote für alle zu schaffen, damit alle mitmachen können. Ob dann alle Personen die Angebote annehmen oder sich rausziehen, hängt von ihnen ab“, so Sandy Flath, Betzavta- und Demokratietrainerin. Das von vielen Vereinen vertretene allgemeine Dogma, dass es Diskriminierung und Rechtsextremismus in ihrem Verein nicht gibt, verschleiert den Blick auf die Realität. Wenn die Probleme erst einmal da sind, ist es meist schon zu spät.

Die wichtige Erkenntnis für alle Teilnehmer*innen an diesem Tag: Frühzeitig für den Verein eine klare Haltung und ein Leitbild entwickeln. Diese Maßnahmen sind zwar keine Garantie gegen Diskriminierung und Rechtsextremismus, aber sie tragen zur Entwicklung für einen gemeinsamen Konsens im Verein bei und können für alle, in und außerhalb des Vereins, klare Botschaften transportieren. Das Bewusstsein und eine Verantwortlichkeit für ein konstruktives Miteinander im Verein, so sind sich die Teilnehmer*innen einig, sind im Verein strukturell zu verankern und möglichst mit einer Personalstelle, ob haupt- oder ehrenamtlich, zu besetzen oder zu benennen, wie z.B. eine*n Demokratiebeauftragte*n.

Als vorbildhaftes Beispiel für die Haltung gegenüber Rechtsextremisten wurde der FC Bayern München genannt. Der Verein lässt Menschen, die offensichtlich rechte Symbole tragen, nicht in das Stadion. Die bekannten Symbole der rechten Szene werden immer häufiger durch subtilere unbekanntere Zeichen ergänzt. Im Workshop „Rechtsextremismus im Sport“, unter der Leitung des Referenten Uwe Augustin (Demokratietrainer), wurden diese Symbole thematisiert und Hinweise gegeben, wie jeder Einzelne reagieren kann, wenn er auf Menschen trifft, die diese Symbole tragen. Aber auch hier ist die Grundlage für eine gute Handhabung des Vereins, eine Haltung zum Thema zu haben und diese auch an Mitglieder, Trainer*innen und Ehrenamtliche zu vermitteln und diese mit ihnen gemeinsam zu leben.


  • Graphic Recording von Angela Gerlach zu den Inhalten und Ergebnissen des digitalen Fachtags
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