Als Geflüchtete zur Übungsleiterin

Simav Hajar kam über Syrien nach Meiningen und fand Halt im Taekwondo

Vor dreieinhalb Jahren hatte die 15-jährige Simav Hajar noch nichts mit Kampfsport am Hut, jetzt trägt sie bereits den grün-blauen Gürtel im Taekwondo. Ihr Ziel ist es, international zu kämpfen. Mit ihrem Ehrgeiz motiviert sie auch den Nachwuchs.
Vor dreieinhalb Jahren hatte die 15-jährige Simav Hajar noch nichts mit Kampfsport am Hut, jetzt trägt sie bereits den grün-blauen Gürtel im Taekwondo. Ihr Ziel ist es, international zu kämpfen. Mit ihrem Ehrgeiz motiviert sie auch den Nachwuchs.

VON SUSANN EBERLEIN

Vor dreieinhalb Jahren hatte die 15-jährige Simav Hajar noch nichts mit Kampfsport am Hut, jetzt trägt sie bereits den grün-blauen Gürtel im Taekwondo. Ihr Ziel ist es, international zu kämpfen. Mit ihrem Ehrgeiz motiviert sie auch den Nachwuchs.

Nackte Füße rennen über den Hallenboden. Kreuz und quer, ein bisschen durcheinander. Sie gehören den Kindern und Jugendlichen, die Taekwondo im Kampfsportzentrum Universum Meiningen trainieren. Zwei Mal pro Woche treffen sie sich in der Kiliansberghalle in Meiningen, um die waffenlose Selbstverteidigung von der Pike auf zu lernen. Gerade steht die Erwärmung auf dem Programm: Sie spielen Spiele und machen einen Staffellauf, danach finden sie sich zum Dehnen zusammen. Erst wenn alle Gliedmaßen auf Training eingestellt sind, geht es in die Gruppenarbeit.

Simav Hajar trainiert die Fünf- bis 14-Jährigen. Einige von ihnen haben gerade erst mit dem Training begonnen, andere konnten sich schon einen Gürtel erkämpfen. Simav Hajar trägt den grün-blauen Gürtel, der für einen wichtigen Übergang in der koreanischen Kampfsportart steht. Die Anstrengungen im Training haben sich gelohnt, nun strebt die Schülerin höhere Erfolge an. „Ich möchte irgendwann international kämpfen“, sagt die 15-Jährige, die viel reifer wirkt als ein Teenager.

Seit dreieineinhalb Jahren lebt Simav Hajar in Deutschland. Sie ist in Kurdistan, einem Gebiet in Syrien, geboren und mit ihrer Familie in die Bundesrepublik geflüchtet. „Wegen des Krieges“, sagt sie. Erst in ihrer neuen Heimat hat sie mit dem Training begonnen. „Der Kampfsport macht mir großen Spaß. Ich habe dadurch Freunde gefunden und Deutsch gelernt. Das Leben in Deutschland ist jetzt leichter“, sagt sie.

Die 15-Jährige ist ehrgeizig, will immer besser werden. Dafür braucht es Disziplin. Nach dem Unterricht in der Schule werden schnell die Hausaufgaben erledigt. Noch in diesem Jahr will sie den deutschen Hauptschulabschluss schaffen, um dann eine Ausbildung zur Altenpflegerin beginnen und später in einem Krankenhaus arbeiten zu können. Nach getaner Schularbeit trainiert sie ihre Gruppe zwei Stunden lang. Erst danach feilt sie selbst an ihren Schritten, an ihren Techniken, um in Wettkämpfen gut abschneiden zu können.

Simav Hajar möchte dem Nachwuchs, darunter deutsche und internationale Kinder, ein gutes Vorbild sein. „Sie sollen etwas von mir lernen“, sagt sie. Rassismus hat bei ihr nicht einen Zentimeter Platz. „Jeder Mensch ist gleich, die Hautfarbe ist komplett egal. Und jeder Mensch wird gleichbehandelt“, betont sie. Beim Training achtet sie deswegen auf Harmonie, Streit lässt sie erst gar nicht zu. „Wir sind ein Team. Und ein Team hält zusammen“, schwört sie ihre Gruppe ein.

Das imponiert auch dem Vereinsvorsitzenden Heinz Leischner, der seit vielen Jahren mit dem KSZU Meiningen Stützpunktverein im Bundesprogramm „Integration durch Sport“ ist. „Sie ist streng und hat hohe Anforderungen an die jungen Sportler. Aber sie ist eine große Hilfe“, sagt er. Leischner hat den Verein, der aktuell über 420 Mitglieder zählt, bereits im Jahr 1998 gegründet. Mit Hilfe des Sports, darunter die Abteilungen Taekwondo, Fitness und Gesundheit, Fechten sowie Kobudo will er den Mitgliedern nicht nur beibringen, ihre Körper zu beherrschen, sondern auch für einander da zu sein.

Rund 40 Trainer kümmern sich um dieses Anliegen, darunter Simav Hajar. Um offiziell als Betreuerin eingesetzt werden zu können, braucht es freilich einige Voraussetzungen. Den wichtigsten Baustein, den Grundlagenlehrgang, hat die 15-Jährige bereits gelegt. Jetzt will sie mehr: „Ich möchte die Kinder bis zum schwarzen Gürtel bringen“.

Der nächste Baustein für diese Aufgabe in ihrer Sportkarriere ist die Übungsleiter-Lizenz. Diesen Schritt ermöglicht das DOSB-Projekt „Willkommen im Sport“, welches – unterstützt durch die Beauftrage der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration – in diesem Jahr einen Lehrgang für Geflüchtete auf die Beine gestellt hat.


  • Vor dreieinhalb Jahren hatte die 15-jährige Simav Hajar noch nichts mit Kampfsport am Hut, jetzt trägt sie bereits den grün-blauen Gürtel im Taekwondo. Ihr Ziel ist es, international zu kämpfen. Mit ihrem Ehrgeiz motiviert sie auch den Nachwuchs.
    Vor dreieinhalb Jahren hatte die 15-jährige Simav Hajar noch nichts mit Kampfsport am Hut, jetzt trägt sie bereits den grün-blauen Gürtel im Taekwondo. Ihr Ziel ist es, international zu kämpfen. Mit ihrem Ehrgeiz motiviert sie auch den Nachwuchs.
    Foto: Susann Eberlein
  • Rassismus hat bei ihr nicht einen Zentimeter Platz. „Jeder Mensch ist gleich, die Hautfarbe ist komplett egal. Und jeder Mensch wird gleichbehandelt“, betont sie.
    Rassismus hat bei ihr nicht einen Zentimeter Platz. „Jeder Mensch ist gleich, die Hautfarbe ist komplett egal. Und jeder Mensch wird gleichbehandelt“, betont sie.
    Foto: Susann Eberlein

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