„Fußball für Mädchen“

`Fußball für Mädchen´" heißt die vierte und letzte Folge unserer Berliner Artikelserie zu "30 Jahre IdS".

Fotos:  ©  IdS-Berlin
Fotos: © IdS-Berlin

Ein greller Pfiff schallt über den Schulhof einer Grundschule in Berlin. Mareike Korb unterhält sich lächelnd mit der Betreuerin einer Mädchen-Fußball-AG, während ihre Schülerinnen bereits in der ersten Minute ein Tor für ihre Schule erzielen. Bereits seit 13 Jahren organisiert das Programm „Integration durch Sport“ in Berlin solche Turniere in der ganzen Stadt. Was als kleines Projekt in Kooperation mit wenigen Fußballvereinen und Schulen begann, hat sich mittlerweile zu einer Turnierserie mit über 70 teilnehmenden Grundschulen und mehr als 25 Veranstaltungen im Jahr gemausert.

 

30 Jahre Integration durch Sport

„Integration durch Sport“ feiert in diesem Jahr seinen dreißigsten Geburtstag. Über die vergangenen Jahrzehnte hinweg haben tausende Vereine und Engagierte in Zusammenarbeit mit dem DOSB und den Landessportbünden Integrationsmaßnahmen konzipiert, geplant und umgesetzt. Wir schauen zurück auf eine bewegte Vergangenheit und nach vorn in eine Zukunft voller Bewegung.

„Ursprünglich wollten wir den vom Fußballverband damals noch sehr stiefmütterlich behandelten Mädchenfußball in der Stadt unterstützen. Damals gab es zwar viele Möglichkeiten für die Jungs, um bereits in der Grundschule Fußball zu spielen, die Mädchen gingen leider oft leer aus“ erzählt uns Programmleiterin Britt Finkelmann.

Seitdem hat sich viel getan. Nachdem die deutsche Nationalmannschaft der Frauen 2007 erfolgreich den Weltmeistertitel verteidigen konnte, bekam der Sport nicht nur medial mehr Aufmerksamkeit. Der Berliner Fußballverband richtete einen eigenen Ausschuss für Mädchen- und Frauenfußball ein und unterstützt die Grundschulen außerdem seit 2012 mit dem Projekt „Alle kicken mit“.

„Damit man wortwörtlich am Ball bleibt, braucht man im Sport einfach ein Ziel auf das man hintrainiert. Viele der Mädchen spielen bisher noch nicht im Verein und haben deshalb keinen geregelten Spielbetrieb. Mit unserer Turnierserie schaffen wir die Möglichkeit gegen andere AGs anzutreten, sich auszutesten und im besten Fall sogar eine Medaille mit nach Hause zu nehmen“.

Britt Finkelmann beobachtet das Geschehen in den programmeigenen Fußballkäfigen mittlerweile nur noch von der Seitenlinie.

Seit 2017 konzipiert und organisiert die neue Programmmitarbeiterin Mareike Korb den Bereich „Fußball für Mädchen“. Als aktive Spielerin weiß sie, worauf es für die Teilnehmerinnen ankommt. „Wir versuchen in Zusammenarbeit mit den Schulen ein möglichst niedrigschwelliges Angebot zu schaffen. Wir fahren mit unseren Anlagen direkt auf den Schulhöfen vor, organisieren die Turniere, sorgen für Material, Urkunden und Medaillen und kümmern uns teilweise sogar um die Implementierung von neuen AGs an den Schulen. Momentan unterstütze ich zum Beispiel aktiv die Umsetzung einer Fußball-AG an der Kolumbus-Grundschule“. Mareike wendet sich kurz ab um die Spielergebnisse auf einem eigens designten Spielplan einzutragen.

Fair Play wird bei den Turnieren groß geschrieben. Es ist Tradition, dass sich alle Spielerinnen vor und nach dem Spiel die Hände geben. Fouls werden sofort geahndet und jedwede unfaire Spielweise wird umgehend unterbunden. „Uns ist es wichtig, dass der Spaß im Vordergrund steht. Die Mädchen verstehen das manchmal besser als die Betreuerinnen und Betreuer“, sagt Mareike mit einem Lächeln im Gesicht. Die Stimmung auf dem Schulhof ist ausgelassen. Nach Schulschluss haben sich auch viele der Jungs eingefunden und feuern die Spielerinnen lautstark an. Vereinzelt hört man sogar kleine Sprechchöre. Herzstück der Angebote ist die Mädchen-Soccer-Serie für die fünften und sechsten Klassen. „Es gibt 6 Vorrunden mit jeweils 12 Teams. Jedes Team tritt für ein Land an, bekommt Trikots von uns und fertigt für das jeweilige Land ein Plakat an. Bei jeder Vorrunde qualifizieren sich zwei Teams für die Endrunde. Für die Mädchen ist das jedes Mal ein riesiges Event. „Es ist toll zu sehen, was die Wertschätzung mit den Spielerinnen macht. Einige schaffen tatsächlich den Sprung in den Vereinssport. Genau das wollen wir erreichen!“ Im vergangenen Jahr konnte das Team der Charlie-Chaplin-Grundschule den begehrten Wanderpokal an die eigene Schule holen. In diesem Jahr gewann nach packenden Vorrunden und einem wahren Herzschlagfinale das Team der Charlotte-Salomon-Grundschule. Freudestrahlende Gesichter heben, begleitet von tosendem Beifall, die schwere Trophäe in die Sommersonne.

Neben der Turnierserie im Sommer stehen außerdem jedes Jahr Frühlingsturniere für die ersten bis vierten Klassen sowie Herbstturniere und Hallenserien für alle Altersklassen der Grundschulen auf dem Plan. Zusätzlich bietet „Integration durch Sport“ im Herbst ein Ferienfußball-Camp für besonders engagierte Mädchen an.

Eine Kooperation mit dem SV Rot-Weiß Viktoria-Mitte 08 e.V. ermöglichte in diesem Jahr eine neu gegründete „Willkommen im Sport- Fußballschule“. „Wir haben noch viel vor. Mein Traum ist es an allen Grundschulen in Berlin Mädchen-Fußball-AGs zu gründen. Ich bin gespannt wie viel wir noch gemeinsam mit den Schulen und den vielen engagierten Lehrerinnen und Lehrern erreichen können“. Währenddessen ertönt der Schlusspfiff auf dem Platz. Erneut ein Turnier ohne gelbe Karten, dafür aber mit vielen erschöpften aber glücklichen Gesichtern.

Betreuerin einer Mädchen-Fußball-AG, während ihre Schülerinnen bereits in der ersten Minute ein Tor für ihre Schule erzielen. Bereits seit 13 Jahren organisiert das Programm „Integration durch Sport“ in Berlin solche Turniere in der ganzen Stadt. Was als kleines Projekt in Kooperation mit wenigen Fußballvereinen und Schulen begann, hat sich mittlerweile zu einer Turnierserie mit über 70 teilnehmenden Grundschulen und mehr als 25 Veranstaltungen im Jahr gemausert. „Ursprünglich wollten wir den vom Fußballverband damals noch sehr stiefmütterlich behandelten Mädchenfußball in der Stadt unterstützen. Damals gab es zwar viele Möglichkeiten für die Jungs, um bereits in der Grundschule Fußball zu spielen, die Mädchen gingen leider oft leer aus“ erzählt uns Programmleiterin Britt Finkelmann.


  • Fotos:  ©  IdS-Berlin
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