Mit 20 Jahren schon die Welt umrundet

Als Elfjährige begann Nirina Beilfuß zu rudern, als Zwanzigjährige hatte sie bereits 40.077 Kilometer im Boot zurückgelegt, also rechnerisch einmal die Erde umrundet.

Nirina Beilfuß genießt es, im Ruderboot mit eigener Kraft auf „Kreuzfahrt“ zu gehen. Foto: RC KST
Nirina Beilfuß genießt es, im Ruderboot mit eigener Kraft auf „Kreuzfahrt“ zu gehen. Foto: RC KST

Damit hat sie auch die Bedingungen für den Äquatorpreis des Deutschen Ruderverbandes (DRV) erfüllt. Beim DRV-Wanderrudertreffen in Schweinfurt nahm die zierliche Sportlerin vom Ruderclub Kleinmachnow Stahnsdorf Teltow (RC KST) jetzt stolz die gewichtige Plakette entgegen. Sie ist die jüngste Preisträgerin seit es diesen Wettbewerb gibt. In aller Regel braucht es Jahrzehnte, bis man so viele Kilometer auf dem „Ruder-Tacho“ stehen hat, und der Preis ist die Krönung der ruderischen Lebensleistung.

Zum RCKST gestoßen war die gebürtige Madagassin 2008. Mitschülerinnen, die bereits dort ruderten, hatten bei einem „Dorffest“ - Kleinmachnow liegt vor den Toren Berlins - Werbung für den Club gemacht. „Sie haben mir begeistert vom Ruderprogramm und den Wanderfahrten erzählt“, erinnert sich Nirina. „und als einige Zeit später ein Flyer vom 'Tag der offenen Tür' in unseren Briefkasten lag, war das der Kick, mal hinzugehen und das Rudern auszuprobieren.“  Es gefiel ihr. Und sie blieb.

„Mittlerweile sind wird sehr gute Freundinnen geworden und haben zusammen schon viele schöne Wanderfahrten erlebt - ich bin ein absoluter Fan des Wanderruderns“, erzählt sie. Beim RC KST ist sie da an der richtigen Adresse. Dort setzt man ganz bewusst auf diese Alternative zum Rennrudern. Und wie kein zweiter in Deutschland versteht es der Verein, Kinder und Jugendliche dafür zu begeistern, im Ruderboot mit eigener Kraft auf „Kreuzfahrt“ zu gehen. Mindestens zwölf Wochen im Jahr ist der Club auf Wanderfahrten im In- und Ausland unterwegs. Bei den Touren sind fast immer alle Altersgruppen vertreten und Gäste aus dem In- und Ausland dabei. Auch im Club selbst sind verschiedene Nationalitäten vertreten. „Wir sind eine ziemlich bunte Truppe“, findet Nirinas Vater Martin Beilfuß. Er rudert inzwischen auch, desgleichen Mutter Sonya und Bruder Jonathan - Nirina hatte die ganze Familie mit dem (Wander-)Ruderbazillus angesteckt.

Sie selbst ruderte bereits in Deutschland, Frankreich, Holland, Belgien, Schweden, Finnland, Norwegen, Italien, Polen, Tschechien, der Slowakei, Österreich, Ungarn, Serbien, Kroatien, Bulgarien und Rumänien. „Am Wanderrudern gefällt mir, dass man vom Boot aus viele Dinge sieht, die man im normalen Alltag gar nicht wahrnimmt: Bizarr geformte Bäume, interessante Architekturen von Häusern oder Hütten, Tiere in freier Wildbahn – Robben, Papageientaucher, Pelikane, Schildkröten, Camarguepferde. Man kommt an Orte, an denen man mit dem Auto nie gezielt hinfahren würde oder, wie bei unserer Fahrt ins Donaudelta vor neun Jahren, wo noch nie ein Ruderer gewesen ist. Es ist auch immer wieder interessant, die verschiedenen Lebensstile und Landschaften zu erleben - in Rumänien zum Beispiel die Pferde-Karren, die dort noch häufiger auf den Straßen zu sehen sind. Oder die weiten Flächen und einsamen Inseln der Saimaa-Seenplatte. Die Canyons in Kroatien. Und das offene Meer am Nordkap – die sind einfach beeindruckend. An Wanderfahrten mag ich auch, dass es auch mal ganz anders kommt als geplant, wegen des Wetters (Wind, Wellen, Regen, Gewitter), komischer Quartiere oder Problemen mit Behörden. Aber gerade nach nervigen Situationen schätzt man es um so mehr, wenn man wieder auf dem Wasser ist und in Ruhe rudern kann. Und hängen bleiben letztendlich immer die schönen Momente.“

Ein schöner Moment war, als ihr bei der dreiwöchigen Sommerwanderfahrt 2017 durch Nordostfrankreich, Belgien und Holland eine Punktlandung glückte: Exakt bei der Ankunft am Steg in Utrecht hatte sie den vierzigtausendsiebenundsiebzigsten Kilometer im Ruderboot zurückgelegt. Inzwischen muss sie ruderisch allerdings kürzertreten. Sie studiert Biotechnologie an der TU Berlin - „begeistert“, wie sie sagt -, „aber während der Schulzeit brauchte ich mit dem Fahrrad fünf Minuten bis zum Ruderclub, durch den weiten Fahrweg zur Uni schaffe ich es nur noch zwei, drei Mal in der Woche aufs Wasser zu gehen. In Klausurenphasen muss ich das Rudern auch ab und zu ganz ausfallen lassen. Oder auf die dreiwöchige Sommerwanderfahrt - „da rudern wir um die 800 Kilometer, bei unterschiedlichsten Wetterbedingungen“ - verzichten weil der an den Schulferien orientierte Termin nicht mit den Semesterferien zusammenpasst. So kommen übers Jahr „nur“ noch 3000 Kilometer zustande, bedauert sie. 2011 waren es mehr als doppelt so viel gewesen – da hatte sie ihren persönlichen Rekord auf 6.834 Kilometer geschraubt. „Aber auch schon das wöchentliche Training - im Sommer rudern wir Mittwochs bei der Wannsee-Umfahrt bis zu 30 Kilometer“ - ist für mich ein guter Ausgleich zur Uni, bei dem man einfach schnell den Kopf frei bekommt. Und Konzentrieren ohne ruderischen Ausgleich funktioniert bei mir eh nicht.“

Auf keinen Fall ausfallen lässt sie „unseren vereinseigenen Warthe-Marathon“. Der findet immer über Himmelfahrt statt. „Die Warthe ist ein schöner, einsamer Fluss durch Wälder und weite Wiesen, übernachtet wird auf kleinen Bauernhöfen. In vier Tagen rudern wir da rund 400 Kilometer. Hinterher ist man ziemlich fertig, aber trotzdem nehme ich diese Herausforderung nun schon seit sechs Jahren immer wieder aufs Neue gerne an.“ Und für den Warthe-Marathon schwänze sie auch schon mal die Uni, verrät sie.

(Autorin: Anne Schneller)


  • Nirina Beilfuß genießt es, im Ruderboot mit eigener Kraft auf „Kreuzfahrt“ zu gehen. Foto: RC KST
    Nirina Beilfuß genießt es, im Ruderboot mit eigener Kraft auf „Kreuzfahrt“ zu gehen. Foto: RC KST
  • So sieht er aus, der Äquatorpreis des Deutschen Ruderverbandes. Foto: Anne Schneller
    So sieht er aus, der Äquatorpreis des Deutschen Ruderverbandes. Foto: Anne Schneller

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