Sport als Überbegriff

Die 69. Frankfurter Buchmesse ist vorbei und sie war so kontrovers wie lange nicht mehr. Fünf Tage lang ging es nicht allein um Bücher und Leseempfehlungen, sondern vor dem Hintergrund des Erstarkens der rechten Parteien in Europa auch um die politische und gesellschaftliche Verfasstheit dieses Kontinents und damit auch um die Deutschlands.

Das Thema Integration wurde aus vielen Perspektiven verhandelt, nicht zuletzt beim Gastland Frankreich, das mit der französischen Sprache einen in jeder Hinsicht größeren und stärker verbindenden Referenzrahmen als seine geografischen Grenzen gewählt hatte.

Sport ist ein wichtiger Teil der Kultur und des gesellschaftlichen Diskurses, das ist nicht neu. Trotzdem gut, dass die Deutschlandfunk-Kultur-Redakteurin Christine Watty anmerkte, dass es insofern nur selbstverständlich sei, dass der Sport bei der weltweit größten Buchmesse vertreten ist. Die DLF-Journalistin hatte für den DOSB eine Diskussion zum Thema „Integration – zwischen Spiel- und Sprachregeln“ geleitet.

Einen Beitrag über die interessante, vom Bundesprogramm „Integration durch Sport“ initiierte Veranstaltung, hat auch der Deutschlandfunk (Sendung „Nachspiel“) am Wochenende gesendet, ergänzt um einen weiteren Beitrag aus einem Stützpunktverein in Nordrhein-Westfalen Westfalia Wickede.  

Im Gedächtnis geblieben sind aus der Diskussion einige starke Zitate zum Thema Sprache, Sport und Integration, einige davon geben wir an dieser Stelle wieder:

 

Jamilon Mülders, ehemaliger Bundestrainer der deutschen Hockeyfrauen und aktuell Trainer der chinesischen Nationalmannschaft

„Wenn wir über Sport reden, dürfen wir natürlich über Gesellschaft reden, über Regierung, dürfen wir als Gesellschaft die Frage stellen, muss Sport nicht in ein ganz anderes Bild gehoben werden? Ist Sport nicht der Überbegriff, in den ich Integration, Medien, Sprache und Gesundheit wieder eingliedern kann?“

 

Juri Marker, Sozialarbeiter aus Heidenheim

„Ich kenne es noch recht bewusst, aus der Sowjetzeit, als Sport und Staat näher waren. Da kann man natürlich darüber diskutieren, ob das gut oder schlecht ist, aber wenn der Sport in einem Staat eine höhere Bedeutung bekommen würde, und zwar nicht der Leistungssport allein, sondern der Sport für alle, dann bin ich sofort dabei. Sport ist viel mehr als nur ein bisschen Bewegung. Ich habe damit vieles erreicht.“

 

Moritz Rinke, Schriftsteller und Mitglied der Fußball-Autoren-Nationalmannschaft

„Mannschaftssport bedeutet gemeinsam zu scheitern und gemeinsam etwas zu erreichen, es ist der Versuch, besser zu werden. Das ist doch ein wunderbares Bild: gemeinsam besser zu werden. Sport ist eine wunderbare Metapher für Integration.

 

Hadija Haruna-Oelker, Journalistin, engagiert bei den Neuen Deutschen Medienmachern

„Der Sport spricht auch über Rassismus. Ein Thema, das schwierig zu verhandeln ist. Aber wenn man das schafft im alltäglichen Leben, dann hat der Sport schon eine sehr wichtige Rolle.“


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    Foto: LSB NRW