Sport für geflüchtete Frauen

2015 BEGANN DER GROSSE ZUSTROM VON GEFLÜCHTETEN IN UNSER LAND. SEITDEM WURDEN VIELE SPORTANGEBOTE FÜR SIE GESCHAFFEN. FRAUEN PROFITIEREN DAVON UNGLEICH WENIGER. ZIEL EINIGER VEREINE IST ES, IHNEN DEN ZUGANG ZUM SPORT ZU ERMÖGLICHEN.

Andrea Bowinkelmann
Andrea Bowinkelmann

„Wenn wir nur eine  Frau in den  Sport bringen, hat sich unser  Engagement gelohnt!“ Andrea Lickenbröker ist Judoka beim Judo Club Beckum. Gewaltprävention ist eines ihrer  Steckenpferde, seit Jahren bietet sie Kurse in Selbstbehauptung/Selbstverteidigung an. Nun  konzipierte sie erstmals einen Kurs für geflüchtete Frauen. Die Frauen zu erreichen stellte sich als nicht leicht heraus. Lickenbröker tingelte durch  die Unterkünfte und führte Gespräche.

„Aushänge bringen überhaupt nichts“, erklärt sie. Sie baute Vertrauen auf, „das ist den Angehörigen ganz wichtig. Die kommen schließlich aus keinem sicheren Land!“ 13 Frauen hatten sich schließlich angemeldet. Am Tag vor dem Kurs sprach Lickenbröker noch einmal mit allen persönlich und verwies auf das Taxi mit weiblicher Fahrerin, das sie abholen  und in die geschützte Sporthalle bringen sollte. Zwei sprachkundige Helferinnen standen bereit, die auch mit den Frauen rausgegangen wären, falls bei den Selbstbehauptungsübungen etwas getriggert hätte. Fluchterfahrung lässt sich eben nicht einfach wegwischen.

„Der Aufwand war immens“, beschreibt Andrea Lickenbröker ihr Engagement. Sie musste einen Raum für die Frauen bieten, wo sie unter sich sein konnten und sich sicher fühlten. Und sie musste Vertrauen schaffen, persönlichen Kontakt aufbauen. Denn Lickenbrökers „Flüchtlingsdamen“ haben  Dinge ge- sehen und erfahren, die freiheitsbeschränkend sind. Umso  mehr gilt es, ihnen  zu Autonomie und  Erhöhung ihres Selbstwertgefühls zu verhelfen.

Vereine können da durchaus an ihre Grenzen stoßen, weiß Petra Kurek vom Mabilda, einem offenen Stadtteiltreff in Duisburg-Marxloh für Mädchen, der ebenfalls Sport im Angebot hat. Denn die Frauen und Mädchen belasten Fragen, die über das Sportliche hinausgehen. Dringend empfiehlt sie daher eine Kooperation mit einer fachlichen Institution, im Idealfall mit einem Sozialträger oder vielleicht einer Flüchtlingsberatungsstelle. Man müsse sich als Beziehungspartner zur Verfügung stellen und dies auch ernst nehmen, so Kurek, zugleich aber die Tür nicht so weit aufmachen, dass man sich um alles kümmert. Und eben nicht alles alleine stemmen wollen.


Überhaupt plädieren Kurek wie auch Lickenbröker und Serpil Kaya vom Landessportbund NRW für mehr Unaufgeregtheit. Sensibilität den Frauen und Mädchen gegenüber sei absolut zentral. Doch sie auf den Fluchthintergrund zu reduzieren sei der falsche Weg. Sie sind trotz ihrer Kriegs- und Fluchterfahrungen Frauen und Mädchen, die sich ein normales Leben mit ganz normalem Alltag wünschen. Stattdessen sind sie fremd, fühlen sich zutiefst unsicher, leben vielleicht noch in einer Unterkunft, haben einen unsicheren Aufenthaltsstatus. Da mag ein durchorganisiertes Sportangebot in einem deutschen Verein der zweite Schritt vor dem ersten sein. Serpil Kaya: „Wir sollten niederschwellige Angebote machen, um einander erst einmal kennen zu lernen. Offene Spiel-Spaß-Sport-Angebote oder Fahrradkurse sind ein möglicher erster Weg.“

WEIBLICHE FLÜCHTLINGE IM SPORT –
HERAUSFORDERUNGEN UND POTENZIALE FÜR
UNSERE SPORTVEREINE“

Die Veranstaltung des Landessportbundes NRW Ende Juni lotete in Theorie und Praxis aus, wie Mädchen und Frauen durch Sport in bestehende gesellschaftliche Zusammenhänge integriert werden können. Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Projektes „Willkommen durch Sport“ durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und den DOSB gefördert. Eine Dokumentation mit allen Ergebnissen wird voraussichtlich ab September 2017 zur Verfügung stehen.
WEITERE INFORMATIONEN
Landessportbund NRW, Serpil.Kaya@lsb.nrw, Telefon 0203 935546-12

Die Dokumentation dieser Veranstaltung finden Sie hier


  • Andrea Bowinkelmann
    Foto: Andrea Bowinkelmann

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