Warum ist Cricket eigentlich nicht olympisch?

Weshalb wir Cricket bei Olympia sehen wollen

Foto: DCB
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Die ersten olympischen Spiele der Neuzeit im Jahr 1896 waren noch eine reichlich überschaubare Veranstaltung. In nur neun Disziplinen duellierten sich die Kontrahenten, für allzu exotische Sportarten war da kein Platz. Stattdessen setzten die Ausrichter auf Klassiker wie Fechten, Ringen oder Leichtathletik – und als einzige Mannschaftssportart neben Fußball war das traditionsreiche Cricket vorgesehen. Da sich nicht ausreichend Teilnehmer finden ließen, erlebte Cricket seine olympische Premiere erst vier Jahre später bei den Spielen in Paris. Großbritannien siegte über die französische Auswahl und kann sich bis heute als ewiger Olympiasieger feiern lassen. Denn die Partie sollte die einzige im Cricket bleiben, die je unter dem Zeichen der fünf Ringe ausgetragen wurde. Zeit, dass sich daran etwas ändert! 

Denn es gibt zahlreiche Gründe, weshalb Cricket besser heute als morgen wieder olympisch sein sollte! Nur wenige Sportarten stehen in einer Weise für den olympischen Geist, wie Cricket es vermag. Auf der ganzen Welt bringt dieser Sport Menschen mit den verschiedensten kulturellen, religiösen und sozialen Hintergründen zusammen – Cricket ist gelebte Integration! In den deutschen Nationalmannschaften spielen Zugewanderte aus aller Herren Länder, die auf olympischer Bühne einen tollen Ausschnitt unserer bunten Gesellschaft repräsentieren würden. Und das gilt natürlich für Frauen genauso wie für Männer. 

Was kaum jemand weiß: Schätzungsweise gibt es unglaubliche zweieinhalb Milliarden Fans. Cricket ist die zweitbeliebteste Sportart der Welt. Die leidenschaftliche und begeisternde Cricket-Community auf den Rängen der Stadien wäre alleine Grund genug, die Sportart ins olympische Programm aufzunehmen. Zudem mischen hier auch einige Nationen in der Weltspitze mit, die bisher selten die Gelegenheit hatten, auf olympischem Parkett zu glänzen. Freut euch auf die Cricket-Stars aus Afghanistan, Bangladesch, Simbabwe oder Sri Lanka! 

Nach einigen Jahren Pause geht in diesem Jahr in Tokio auch Baseball wieder an den Start. Dass sich Schlag- und Wurfspiele gut auf der Liste der olympischen Sportarten machen, steht damit schon mal fest. Umso schöner wäre es doch, sich vor dem Fernseher auch die Cricket-Regeln erklären zu lassen – und endlich einmal zu verstehen, was die Leute im Park mit dem merkwürdig anmutenden Schläger und den Holzstangen dort eigentlich genau treiben. Schließlich ließe es sich damit auch beim nächsten Besuch im Irish Pub ganz hervorragend fachsimpeln. Und man könnte empört die Nase rümpfen, wenn wieder einmal jemand über Cricket redet, aber Croquet meint – ja, genau, das ist nämlich das Präzisionsspiel mit den bunten Bällen und den U-förmigen Drahttoren. 

Die Liste guter Gründe ist lang und es sollte eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis sich die olympische Gemeinde ihrer Wurzeln besinnt und sich zurück auf den Cricket-Pitch begibt. Die stetig wachsende Cricket-Community in Deutschland dürfte es freuen. Ein augenzwinkernder Hinweis in Richtung Tokio: Als kontaktloser Sport lässt sich Cricket auch in Zeiten einer globalen Pandemie ganz hervorragend spielen… 

Text: Simon Volpers, LSB Niedersachsen


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