Radlernkurse in Bremen beginnen mit buten un binnen

Für viele der zehn Mädchen und Frauen aus Somalia, Syrien, Algerien und Ägypten war es das erste Mal auf zwei Rädern. Für Silke Wirtz vom Stützpunktverein Casa Cultural war es Runde zwei als Trainerin. Gemeinsam stellten sie sich der Aufgabe, auch nach dem Grundschulalter noch Radfahren zu lernen. Das Nachrichtenformat „buten un binnen“ von Radio Bremen begleitete sie dabei einen Tag lang und versuchte Motivation, Erfahrungen und neu erlernte Freiheiten sichtbar zu machen.

Pilonenfahrten sind die Kür gen Ende des Kurses
Pilonenfahrten sind die Kür gen Ende des Kurses

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Casa Cultural ist in Bremen einer von drei Vereinen, die in diesem Sommer Fahrradlernkurse für Frauen anbieten. Beim VTT Farge-Rekum ist es wie bei Casa das zweite Jahr in Folge mit Kursangebot. Bei der SV Hemelingen startet am 18. Juli die Premiere. Alle drei sind Stützpunktvereine im Programm „Integration durch Sport“ (IdS) und decken Bremen-Nord, Mitte und Ost ab. Im Jahr 2020 hatte allerdings der hohe Norden vorgelegt: Die Bremerhavener Sportjugend organisierte gemeinsam mit IdS im Bundesland den ersten Radlernkurs für Frauen. Im Bremer Süden wird noch nach Vereinen und motivierten Übungsleitenden gesucht. In der Regel finden die Radlernkurse über zwei Wochen zehn Tage lang zu je 2 Stunden statt.

Eine der ersten organisatorischen Aufgaben für die Radlernkurse ist die Findung eines geeigneten Kursortes. Die Möglichkeiten und die Wege dorthin sind vielfältig und laufen häufig über Netzwerke. Sportlotsin Silke Wirtz brachte über beruflichen Kontakt eine Lösung mit. Die Waldorfschule Bremen in Schwachhausen stellte passende Teile des Pausenhofes zur Verfügung: Weitläufig, ebenerdig und blickgeschützt – optimale Voraussetzungen, solange das Wetter passt.

Gestartet wird ein Radlernkurs mit der Vermittlung von etwas Theorie, wie den geltenden Verkehrsregeln und zugehörigen Straßenschildern. Anschließend folgen Lernroller und das Fahrrad selbst. Die erste Auseinandersetzung mit Roller und Rad ist eine Erkundungstour direkt am Gerät. Am Ende jeder Stunde werden alle Bestandteile des Sportobjektes einmal gemeinsam durchgegangen. „Was braucht man alles für ein verkehrssicheres Fahrrad?“ war auch die Abschlussfrage am Drehtag. Die Antworten kamen anfänglich schnell: „Eine Klingel, rutschfeste und festmontierte Pedalen, zwei unabhängige Bremsen, weißes Vorderlicht mit Reflektor, rotes Rücklicht mit Reflektor, Speichen-Reflektoren, aber was noch?“, fasste es Silke Wirtz zusammen, „Ein Detail fehlt noch.“ Am Ende durfte der Kameramensch lösen: „Rückstrahler an den Pedalen.“

Lernfahrräder haben als besonderen Bestandteil im Vergleich zu anderen Rädern einen sehr niedrigen Rahmen. Das erleichtert den Zustieg, das Gleichgewicht und Selbstvertrauen auf dem Rad zu finden. Bei den ersten Fahrversuchen ist vor allem die Rücktrittbremse etwas gewöhnungsbedürftig. Für das Finden der „inneren Mitte“, wie es Silke Witz ausdrückt und um sich an die Fortbewegung, das Tempo und Gleichgewicht auf zwei Rädern zu gewöhnen werden deshalb zu Beginn des Kurses, bis etwas Sicherheit ins Rollen gekommen ist, Lernroller eingesetzt. Die Praxis entwickelte sich über Balanceübungen mit dem Roller, hin zum Rollen, übers Radfahren bis zum Hütchen-Parcours.

Lernroller, Helme sowie Lernfahrräder werden von IdS zur Verfügung gestellt und freundlicherweise bei der SV Hemelingen gelagert. Finanziert wurden sie durch stadtbremische Mittel. (s.u.) VTT hat inzwischen über Förderung im Stadtteil sogar eigene Lernräder organisieren können.

Bei der Schulung profitiert IdS in Bremen von guter Nachbarschaft und arbeitet jährlich mit dem Projekt „Radfahren vereint“ der IdS-Kolleginnen aus Niedersachsen zusammen. In Niedersachsen ist das Projekt über die letzten Jahre enorm gewachsen. Wer sich als Trainer:in ausbilden lassen möchte hat dazu mindestens einmal im Jahr Gelegenheit. Die Schulung geht über einen Tag, die Kosten werden durch IdS übernommen.

Nebst der Vereinsförderung beteiligte sich IdS an einem offenen Fahrradtreff in der Vahr in Kooperation mit dem Familien- und Quartierszentrum Neue Vahr Nord (FQZ) und der Verkehrsschule der Jugendhilfe und Soziale Arbeit (JUS). Der Treff findet jeden Mittwoch außerhalb der Ferien, 12.30 bis 14 Uhr, voraussichtlich bis Ende November, statt. Fahrräder und Helme werden zur Verfügung gestellt.

Für das Projekt wurden Fördermittel der Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport der Freien Hansestadt Bremen zur Verfügung gestellt.

Das Programm „Integration durch Sport“ wird aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) unterstützt.

Bilder: buten un binnen


  • Pilonenfahrten sind die Kür gen Ende des Kurses
  • Silke Wirtz von Casa Cultural hat ein Auge auf die Technik
  • Analyse aus Teilnehmerinnen-Sicht