Gesundheitsförderung Älterer Migrant*innen

Foto: Andrea Bowinkelmann, LSB NRW
Foto: Andrea Bowinkelmann, LSB NRW

Sport und Bewegung sind besonders geeignet zur Erhaltung der physischen und psychischen Gesundheit und zur sozialen Integration von Menschen jeden Alters. In den über 90.000 Sportvereinen in Deutschland sind Menschen mit Migrationshintergrund allerdings immer noch unterrepräsentiert, genau wie die Altersgruppe 60+, auch wenn der Organisationsgrad dieser beiden Zielgruppen in den Vereinen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Maßnahmen für ältere Migrant*innen werden bisher vergleichsweise wenig angeboten.

Die Herausforderung ist, die Zielgruppe zu erreichen und Angebote zu konzipieren, die regelmäßig genutzt und nachhaltig implementiert werden können. Dazu kommt, dass in der Mehrheit der Vereine aktuell junge Migrant*innen vertreten sind und es zahlenmäßig im Moment noch nicht so notwendig scheint, extra Angebote für die älteren Migrant*innen zu entwickeln. Da allerdings der demografische Wandel auch die früh nach Deutschland eingewanderten Gastarbeiter*innen und Spätaussiedler*innen betrifft, ist schon heute festzustellen, dass die Vereine diese Zielgruppe intensiver ins Auge fassen sollten. Dabei kommt dieser Zielgruppe eine besondere Bedeutung zu, da immer mehr Ältere mit Migrationshintergrund auch nach ihrer aktiven Berufsphase in Deutschland bleiben und ihren Lebensabend hier verbringen. Studien haben jedoch gezeigt, dass diese Menschen oftmals nicht gut integriert sind und weniger Zugang zu gesundheitsfördernden Maßnahmen haben. Damit steigt das Pflegerisiko. Erfahrungen belegen zudem, dass die Pflegebedürftigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund deutlich früher einsetzen kann als bei Menschen ohne Migrationshintergrund.

Daher hat der DOSB ein Projekt entwickelt, das den oben genannten Risiken durch die entgegenwirken soll. Mit diesem Projekt mit dem Titel „Integration und Gesundheitsförderung älterer Menschen mit Migrationshintergrund durch niederschwellige Sport- und Bewegungsangebote“ (Arbeitstitel) sollen Zugangswege zur bisher unterrepräsentierten Zielgruppe der Älteren mit Migrationshintergrund sowie geeignete Angebote zur Gesundheitsförderung durch Sport und Bewegung in Sportvereinen entwickelt und in der Praxis erprobt werden. Hintergrund ist die Annahme, dass bei dieser Zielgruppe Gesundheitsvorsorge und Erhaltung der alltagsrelevanten Fitness durch Sport und Bewegung eine geringere Rolle spielen als in der Altersgruppe ohne Migrationshintergrund. Daher ist diese Zielgruppe besonders gefährdet, ihre Selbstständigkeit durch Krankheiten und körperliche Funktionsverluste früher zu verlieren als die Altersgruppe ohne Migrationshintergrund. Durch Sport und Bewegung können sie, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, erfahren, welche Bedeutung körperliche Aktivität für das Wohlbefinden und die Gesundheit haben. Dies kann auch dazu beitragen, ihr Gesundheitsbewusstsein zu stärken, ihre körperliche bzw. psychische Gesundheit zu fördern und damit zahlreichen Gesundheitsrisiken erfolgreich vorzubeugen.

Das Projekt startet am 1. Februar 2021 und alle Informationen rund um das Projekt finden Sie ab sofort auf dieser Website.

Im Vorfeld des Projektes wurde im vergangenen Jahr vom Institut für Gerontologische Forschung Berlin eine Expertise erstellt, die erste Handlungsempfehlungen für die Umsetzung von Projekten zusammenfasst. Sie stellte eine Bedarfs- und Bestandsanalyse für das Themenfeld Gesundheitsförderung älterer Migrant*innen durch niedrigschwellige Bewegungsangebote dar und befasst sich dabei sowohl mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der vergangenen zehn Jahre wie auch durch qualitative Interviews mit den Herausforderungen vor Ort.
Die Expertise wurde Mitte Januar im Rahmen einer digitalen Tagung der Öffentlichkeit vorgestellt.

Den Link zum Download finden Sie ebenfalls auf dieser Seite.