Baden-Württembergische Stützpunktvereine im Bundesprogramm „Integration durch Sport“ tagen im Rahmen des Stuttgarter Sportkongresses

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums veranstaltete das Programm „Integration durch Sport“ (IdS) in Baden-Württemberg eine gemeinsame Stützpunktvereinstagung, die im Rahmen des 12. Stuttgarter Sportkongresses am 26. Oktober stattfand. Mit einem IdS-Themenblock bereicherten die Verantwortlichen das Tagesprogramm des Branchentreffs des organisierten Sports, zu dem Vereinsvertreter und Übungsleiter aus ganz Deutschland kamen.

Während die Sportbünde mit ihren Stützpunktvereinen an der Basis arbeiten, nahm der LSVBW das 30-jährige IDS-Jubiläum zum Anlass und lud gemeinsam mit den drei Sportbünden zu einem überregionalen Treffen ein. Die Stützpunktvereinstagung gab nun also geförderten Vereinen aus ganz Baden-Württemberg die Möglichkeit zum Austausch. Assan Jallow und Maya Böcherer, Vertreter des ATSV Kleinsteinbach – sie sprechen hier für viele andere – sehen es als sehr wertvoll an, zu sehen, was andere Vereine in anderen Regionen machen, um diese Ideen mit in die eigene Integrationsarbeit einzubeziehen: „Das Netzwerk, das durch dieses Treffen entsteht, hilft viel. Egal wie innovativ man selbst ist, man lernt kennen, was andere machen. Das passiert nicht online, sondern nur, wenn man sich persönlich mit anderen austauscht. Das ist hier eine super Möglichkeit.“ Der ATSV Kleinsteinbach ist beim Thema Integration ein Vorzeigeverein und schafft im Sportalltag ein offenes Miteinander verschiedenster Kulturen. In diesem Jahr publizierten Sie in Zusammenarbeit mit Filmemacher Walter Brähler einen Film zum Thema Integration. Seit 2016 trägt der ATSV Kleinsteinbach den Titel „IdS-Stützpunktverein“.

Bei der Tagung am 26. Oktober versammelten sich Vereinsvertreter und die Verantwortlichen des LSVBW und der drei Sportbünde Württembergischer Landessportbund (WLSB), Badischer Sportbund Freiburg (BSB Freiburg) und Badischer Sportbund Nord (BSB Nord), um sich zunächst zu Fragen der Erreichbarkeit der Zielgruppe, der gezielten Einbindung von Frauen und Mädchen, der dauerhaften Bindung von Zuwanderern an den Verein, die Förderung und aufkommende Problematiken auszutauschen. Geleitet und festgehalten wurde dieses Brainstorming von den Mitarbeitern der Sportbünde, die sich mit diesen Themen beschäftigen und aus dem Austausch mit Ehrenamtlichen viel für die tägliche Arbeit und die Weiterentwicklung des Bundesprogramms mitnehmen können.

Highlight des Treffens war der Vortrag von Prof. Dr. Carmen Borggrefe vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Stuttgart. Mit ihrem Kollegen Prof. Dr. Klaus Cachay (Universität Bielefeld) publizierte sie in diesem Jahr „eine Studie zum Problem der Unterrepräsentanz von Migrantinnen und Migranten im Handball“. Die Studie trägt den Titel „Weltmeister werden mit euch! Aber wie?“ und beschäftigt sich mit der Frage, wie Sportarten – im speziellen Handball – durch integrative Arbeit erfolgreicher sein können. Betrachtet man die aktuellen Zahlen, sind viele Sportarten weit weg davon, die Zusammensetzung der Gesellschaft widerzuspiegeln. Die Studie geht auf die Suche nach Gründen und findet diese unter anderem darin, dass Zuwanderern der Zugang fehlt. Für Sportverbände bieten sich jedoch Stellschrauben, an denen es zu drehen gilt, um in Zukunft Sportlerinnen und Sportler mit Wurzeln in anderen Teilen der Welt einzubeziehen und gemeinsam zu wachsen – nur so wird der organisierte Sport in Deutschland zukunftsfähig und erfolgreich sein können.

Am Nachmittag bot der LSVBW in Zusammenarbeit mit den Sportbünden zwei Workshops zum Thema Integration durch Sport an. David Scholz‘ (WLSB) Workshop mit dem Titel „Zusammenhalt im Sport in BW“ beschäftigte sich mit möglichen Maßnahmen und Aktionen, um Rechtsextremismus und Rassismus im Sport entgegenzuwirken.

Praxisorientierte Beispiele lieferte unter anderem der Budo Club Karlsruhe. Dort trainieren aktuell Menschen verschiedensten Alters aus 39 Nationen in den sechs verschiedenen Disziplinen der japanischen Kampfkunst. Bemerkenswert ist der hohe Anteil an Mädchen, über 50% der Mitglieder sind weiblich. Doch was den Verein vor allem auszeichnet, ist der zum Schuljahr 2016/2017 eingeschlagene Weg zur Integration. Über eine Kooperation mit einer Karlsruher Schule hat das Projekt neben den sportlichen Zielen auch Deutsch als Alltagssprache, die Vermittlung von sozialen Werten, aber auch die Steigerung des Selbstbewusstseins und des Selbstwertgefühls im Fokus. Bei ihrem Workshop gaben die Verantwortlichen Einblick in ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verschiedenster Herkunft und stellten den positiven Effekt für die Sportlerinnen und Sportler auf der einen und die Gesellschaft auf der anderen Seite dar.

Wann es wieder ein überregionales Treffen geben soll, steht noch nicht fest. Es wurde jedoch deutlich, wie sehr die Träger im Organisatorischen und eben die Vereine an der Basis von diesen Treffen profitieren. Der Austausch gibt Chancen auf neuen Input und oft entstehen im Gespräch über Erfahrungen anderer ganz neue Ansätze für die Integrationsarbeit im Verein: „Das Wiedersehen mit Kontakten aus anderen Vereinen, die sich im gleichen Bereich engagieren, freut uns sehr. Wir erfahren hier, was andere so machen, und können das an unsere Begebenheiten anpassen, anstatt das Rad neu zu erfinden.“ (Dagmar Hufnagel, IdS-Verantwortliche TV Sennfeld). Die IdS-Programmmitarbeiter des LSVBW und der Sportbünde, zeigten sich ebenfalls sehr zufrieden mit der Veranstaltung und können viele Punkte mitnehmen für die weitere Arbeit. Der Fokus liegt weiterhin darauf, „Integration durch Sport“ in Baden-Württemberg zu dem festen Baustein im organisierten Sport zu machen, den die Gesellschaft dringend braucht.

„Integration durch Sport“, ein Programm des Deutschen Olympischen Sportbunds und seiner Mitgliedsorganisationen, wird in Baden-Württemberg durch den Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) und die drei Sportbünde WLSB, BSB Freiburg und BSB Nord umgesetzt. Aktuell tragen über 50 Vereine im Land den Titel „IdS-Stützpunktverein“. Diese Vereine haben das Thema Integration in ihren täglichen Sportalltag aufgenommen und setzen auf unterschiedlichste Weise um, was heute wichtiger ist denn je: offen sein für alle, Zuwanderern ein sportliches und damit oft auch gesellschaftliches Zuhause geben und sich klar gegen Ausgrenzung stellen.


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