Berlin: Vereinsporträt 04/2018 - SG Rotation Prenzlauer Berg e.V.

Geschäftiges Treiben und randvoll gefüllte Bibliothekstüten fliegen an uns vorbei, als Tanja und ich an diesem späten Nachmittag auf den Treppen der Zweigbibliothek des Campus Nord der Humboldt-Universität zu Berlin Platz nehmen.

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Direkt auf der anderen Straßenseite befindet sich nicht nur der Eingang zur Charité, sondern auch das Institut für Sportwissenschaften. Tanja selbst befindet sich gerade mitten in den letzten Zügen ihres Masterstudiums. Trotzdem hat sie sich dankenswerterweise die Zeit genommen, mir etwas über ihren Verein - SG Rotation Prenzlauer Berg - sowie ihr Sportangebot für geflüchtete Menschen zu erzählen.

Was ist derSG Rotation Prenzlauer Berg e.V. und was bietet ihr an?

Der Verein schaut auf eine langjährige Geschichte zurück. Bereits 1950 wurde er – damals noch unter dem Titel „BSG Rotation Prenzlauer Berg“ - im Herzen Berlins gegründet. Was als Betriebssportgemeinschaft anfing, ist mittlerweile einer der größten Vereine im Prenzlauer Berg. Dabei ist Rotation vor allem für seine Jugendarbeit bekannt. „Ich glaube es sind jetzt mehr als 1200 Mitglieder im Verein. Sie verteilen sich auf 8 Abteilungen: Fußball, Volleyball, Tanzen, Gymnastik, Hockey, Tischtennis, Basketball und Handball. Ich selbst bin Mitglied in der Handballabteilung“. Von dieser Abteilung ging später auch jenes Projekt hervor, welches nun bereits ins dritte Jahr im Förderprojekt „Willkommen im Sport“ geht. SG ist nicht nur kommunal, sondern mit einigen Abteilungen sogar international erfolgreich. Die jahrelange und intensive Jugendarbeit zahlt sich für den Verein aus. „Die Sportgruppe für die Geflüchteten war eine Initiative der Handballabteilung. Wir wollten aber nichts sportartspezifisches anbieten, sondern einfach in einer freien Sportgruppe Raum für Bewegung und Bewegungserfahrungen schaffen“. Was als kleine Gruppe von maximal 20 Teilnehmenden begann, entwickelte sich aber nach und nach zu einem riesigen Angebot. Schlussendlich, berichtet Tanja, war es ein wildes Durcheinander von zahlreichen Personen unterschiedlichster Herkunft und Alter. Ins Wanken geriet die Sportgruppe, als die genutzte Sporthalle in der Winsstraße wegen Sanierungsarbeiten geschlossen wurde und das Angebot kurzzeitig ganz auf Eis gelegt werden musste. Die Zeit nutzte man aber, um ein neues Angebot zu konzipieren. In diesem Jahr versuchen die Engagierten die Sportgruppe wieder neu zu starten, mit neuen Interessierten. „Das läuft bisher echt gut. Bei jedem Training sind neue Kinder dabei“. Einige der älteren Geflüchteten aus der ehemaligen Gruppe sind nun fest mit dem Verein verbunden und kommen noch immer voller Begeisterung als Fans zu den Heimspielen der Handballmannschaft.

In unserem Vereinsalltag und Training ist uns besonders wichtig, dass ….

„Menschen“, sagt Tanja nach kurzem Nachdenken. „Wir wollen im Training vor allem ein freudvolles Miteinander und gemeinsames Spielen haben. Klar geht es in den Mannschaften auch um Leistung, aber das ist nicht alles“. SG Rotation legt vor allem beim Angebot für Geflüchtete andere Schwerpunkte. Im Vordergrund stehen Spaß und Akzeptanz und das möglichst frei von Wertung oder Normen. „Wir versuchen Unterschiedlichkeit und die verschiedenen Hintergründe der Teilnehmenden wertzuschätzen. Wir sehen die Unterschiede als Gewinn für den Verein und die Gruppe. Auf diese Weise kann sich jeder mit seinen Stärken und mit seiner eigenen Persönlichkeit einbringen“. Sport sieht Tanja dabei als universelle Regeldatenbank, die den Zugang zueinander und ein faires Miteinander vereinfacht. So spielt Sprache eine eher untergeordnete Rolle und mögliche Zugangsbarrieren für Interessierte werden gesenkt. Tanja steht kurz auf, um einige Kommilitoninnen zu umarmen. Noch während sie sich wieder setzt, sagst sie. „Wir wollen, dass jeder sich bei uns angenommen fühlt. Wenn zum Beispiel ein Kind Geburtstag hat, dann singen alle anderen in der Landessprache des Kindes Happy Birthday. Das mag nur wie eine kleine Geste klingen, aber ich habe das Gefühl, dass es den Kindern und auch den Älteren viel bedeutet“. Durch die Sportgruppe hat auch Tanja neue Freunde gefunden, denen sie sogar kleinere Engagements bei anderen Vereinen verschaffen konnte. Einer der Geflüchteten ist nun sogar ehrenamtlicher Helfer im Programm „Integration durch Sport“ Berlin und hat sich schon in den wenigen Monaten, die er bei den vielen Veranstaltungen, Schulfesten, Fußballturnieren und Kursen hilft, unersetzbar gemacht.

Vielfalt bedeutet für uns …..

..“Sport ohne Grenzen“. Toleranz und Akzeptanz stehen für Tanja, aber auch für die anderen Engagierten an erster Stelle. „Um Vielfalt wirklich leben zu können, muss jeder sich sicher, angenommen und wertgeschätzt fühlen“. Mehr noch bedeutet es für SG Rotation ein ungezwungenes, freudvolles Miteinander, das Kategorien wie Herkunft, Religion, Nationalität und Geschlecht in den Hintergrund treten lässt. Der Sport und die Sporthalle sollen Orte zum Abschalten sein. „Wir wollen, dass die Kinder Kinder sein können. Spielen ist ein wichtiger Teil der Entwicklung und wir versuchen dafür sichere Rahmenbedingungen zu schaffen. Wir stellen die Ausrüstung und sicher, dass niemand benachteiligt oder diskriminiert wird. Es gelten gleiche Rechte und Voraussetzungen für alle bei uns“. Das bedeutet auch, dass Räume geschaffen werden, in denen die Teilnehmenden das Programm der freien Sportgruppe mitbestimmen dürfen. Es wird aktiv zur Partizipation und Mitgestaltung aufgerufen. „Wenn wir mit Geflüchteten arbeiten, fanden wir es einfach besser, nicht nur ÜBER, sondern vor allem MIT ihnen zu reden. Nur so konnten wir ein Angebot konzipieren, das am Ende so überwältigend viel Zuspruch erhalten hat“.

Bei unserer Arbeit begeistert uns …..

„Ich finde es total spannend, die Kinder beim Aufwachsen und während ihrer Entwicklung zu begleiten. Die Fortschritte mitzuerleben und den Menschen zu helfen, wenn sie abseits des Sportangebots Hilfe brauchen“. Das gilt für Tanja aber nicht nur für das Angebot mit den Geflüchteten. Der Sportverein ist für sie oftmals wie eine zweite Familie und genau diese Art von Atmosphäre, Sicherheit und Vertrautheit sollen auch die neuen Mitglieder in den Sportgruppen erfahren. „Auf diese Weise kann man in seinem eigenen Kiez direkte Nachbarschaftshilfe leisten“. Der SG Rotation Prenzlauer Berg ist in jeder Sportgruppe ein Ort, um neue Menschen kennenzulernen und das ohne viel Worte. „Ich finde es toll, dass wir so vielen Menschen Zugänge ermöglichen und Türen öffnen können. Man weiß nie wann die vielen Kontakte untereinander für die Menschen nicht mal sogar eine neue Tür aufstoßen könnten“. Tanja schaut nervös auf die Uhr und entschuldigt sich. Neben dem geleisteten Engagement für den Verein braucht auch die eigene Abschlussarbeit ab und an etwas Aufmerksamkeit. Zuvor betont sie noch einmal, wie sehr sie sich über jeden Menschen, egal ob mit Fluchterfahrung oder nicht, freut, der den Weg in den Verein findet. Mit flinken Schritten verschwindet Tanja wieder hinter den Glastüren der Bibliothek.Wir freuen uns über die bereits so lang anhaltende Zusammenarbeit mit dem SG Prenzlauer Berg e.V. und hoffen auch in Zukunft, die engagierten Projekte des Vereins so gut es geht unterstützen zu können.

Weitere Informationen zum Verein finden Sie unter: http://www.sgrpb.de/


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