In die Gesellschaft zurückgeboxt

Boxing Villingen-Schwenningen ist nicht nur sportlich ein Top-Verein für Nachwuchstalente, sondern auch ein Vorreiter beim Thema interkulturelle Öffnung durch Sport. Vor allem Trainer Witali Tarassow profitierte in der dunkelsten Stunde vom Zusammenhalt seiner Boxfamilie.

Rund 400 Teilnehmer/innen 27 Nationen haben das integrative Turnier in Villingen Schwenningen besucht (Bilder: Cansu Cak)
Rund 400 Teilnehmer/innen 27 Nationen haben das integrative Turnier in Villingen Schwenningen besucht (Bilder: Cansu Cak)

Villingen-Schwenningen. Das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ existiert seit mittlerweile 30 Jahren. Doch gerade in der jüngeren Vergangenheit fand es mehr und mehr Beachtung in der Sportpresse. Das wundert nicht vor dem Hintergrund etwa der Flüchtlingswelle nicht, die Politik und Gesellschaft vor Fragen stellte, auf die eben insbesondere der Sport viele Antworten geben konnte –in Form von Initiativen und Projekten an der Basis. So war es auch bei Boxing Villingen-Schwenningen. Der Verein, dessen Leuchtturmprojekt der Black Forest Cup mit jährlich rund 400 Nachwuchsboxern aus 27 Nationen ist, leistet jeden Tag einen Beitrag zur Integration von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund. In Wiktor Tarassow (42) beschäftigt er nicht nur einen der erfolgreichsten Box-Trainer Deutschlands, sondern auch einen ehemaligen Straftäter.

Gemeinsam mit Ex-Bundestrainer Oliver Vlcek machte Tarassow den Klub Boxing VS zur Top-Adresse für junge Boxer. „Wir haben 42 Deutsche Meister hervorgebracht“, sagt Tarassow. Das Integrationsprojekt „Fight for your life“ ist ein Beispiel für das soziale Engagement. Trainer und Ehrenpräsident Vlcek ist rund um die Uhr als Ansprechpartner für die Kinder erreichbar und wird für die Stunden bezahlt. Gefördert wird das Projekt etwa vom Landessportverband Baden-Württemberg und dem Bundesprogramm "Integration durch Sport", dem Boxverband Baden-Württemberg, dem Landratsamt, dem Schwarzwald-Baar-Kreis oder der ProKids-Stiftung VS.

Tarassow ist aber nicht nur ein Idol für die Jugendlichen. Er ist auch ein abschreckendes Beispiel: Drogenhandel und Gewaltdelikte füllen seine Strafakte: 2015 zog das eine zweijährige Haft nach sich. In dieser Zeit hielt vor allem seine „Boxfamilie“ zu ihm. „Im Verein lassen wir niemanden allein“, so Tarassow. „Wir sind wie ein Rudel, in dem jeder auf den anderen aufpasst.“ Der Schutzraum Boxverein war seine Chance, sich zu rehabilitieren. Er ist heute vierfacher Familienvater – und Landestrainer im Boxverband Baden-Württemberg.


  • Rund 400 Teilnehmer/innen 27 Nationen haben das integrative Turnier in Villingen Schwenningen besucht (Bilder: Cansu Cak)
    Rund 400 Teilnehmer/innen 27 Nationen haben das integrative Turnier in Villingen Schwenningen besucht (Bilder: Cansu Cak)
  • Witali Tarassow mit seinem Schützling beim Black Forest Cup 2019
    Witali Tarassow mit seinem Schützling beim Black Forest Cup 2019

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