Erfolgsgeschichte Duale Karriere: Gebrüder Stöcklin

Jan-Niclas und Lennard Stöcklin sind in der Sportart Baseball zu Hause und zeigen wie eine duale Karriere auch in einer noch recht unbeachteten Sportart erfolgreich gemeistert werden kann.

Jan-Niclas (re.) und Lennard Stöcklin haben Studium und Ausbildung erfolgreich mit ihrer Baseball-Karriere verbunden. Foto: Frank Grimm
Jan-Niclas (re.) und Lennard Stöcklin haben Studium und Ausbildung erfolgreich mit ihrer Baseball-Karriere verbunden. Foto: Frank Grimm

Ausgangsituation

Jan-Niclas ist mit 29 Jahren der ältere der Stöcklin Brüder und berichtet so von seiner Anfangsphase:

Während meiner Schulzeit hatte ich noch keine rechte Vorstellung, was ich später beruflich machen möchte und auch meinen sportlichen Werdegang hatte ich noch nicht richtig im Blick. Da ich eine sehr späte Entwicklung gemacht habe und bis zum 18. Lebensjahr eher selten für die Nationalmannschaft nominiert wurde, war der Sprung in den Nationalkader und die professionelle Durchführung des Sports im Ausland nicht vorzusehen. Mein Ziel war es zunächst immer das Abitur zu machen.

Lennard ist 26 Jahre alt und noch aktiv im Baseball. Er hat den großen Traum von den olympischen Spielen 2020 in Tokio und blickt folgendermaßen auf seine bisherige Karriere zurück:

Als ich noch zur Schule ging, wusste ich nicht, was ich später beruflich machen wollte. Mir war es wichtig, das Abitur zu machen und anschließend eine Laufbahn einzuschlagen, die es mir ermöglicht, flexibel zu sein und so viel Zeit für Baseball zu haben. Auch sportlich gesehen, hatte ich zu dieser Zeit noch keine konkreten Ziele, wusste aber, dass ich mich immer weiter verbessern wollte und hatte natürlich auch meinen Bruder als Vorbild.

Schule

Jan-Niclas:

Nach der Realschule bekam ich die Empfehlung für das Gymnasium auf Grund meiner Noten leider nicht und mir blieb die Wahl zwischen Ausbildungsberuf und Berufsbildende Schule bzw. Fachabitur. Da ich zu der Zeit Kaderathlet war, stand der Sport immer an erster Stelle und ich wollte einen mit dem Leistungssport gut zu vereinbarenden Beruf. Anfangs hatte ich den Wunsch zur Polizei zu gehen, was aber aufgrund meiner Farbenblindheit leider nicht möglich war. Damit entschied ich mich für eine kaufmännische Ausbildung. Allerdings habe ich viel Zeit auf dem Baseballplatz verbracht und eher weniger vor dem Schreibtisch. So litten teilweise die Hausaufgaben und auch meine Noten hätten dementsprechend besser sein können. Nach meinem Abschluss 2012 an der BBS Bingen konzentrierte ich mich zunächst komplett auf den Sport und hatte den Traum, mein Hobby zum Beruf zu machen.

Lennard:

2014 machte ich mein Abitur auf dem Stefan-George Gymnasium in Bingen. Die Kombination mit dem Sport lief eigentlich gut, da ich einen geregelten Tagesablauf hatte. Morgens ging es zur Schule und nachmittags auf den Baseballplatz. 

Studium

Jan-Niclas:

Nach meiner Ausbildung absolvierte ich ein Studium der Betriebswirtschaftslehre in Mainz und schloss dies bereits erfolgreich ab. Ab Herbst 2019 starte ich nun mit dem Master-Studiengang. In der Anfangszeit meines Studiums war ich noch im A-Kader und habe durch die Kommunikation meiner Laufbahnberaterin Frau Reermann mit dem Präsidenten meiner Hochschule die Möglichkeiten zu Befreiungen und Vorteilen durch die Kaderzugehörigkeit erlangt. Die Kombination Leistungssport und Studium war also gut möglich und ich fand diese zudem entspannter als die Kombination mit einer Ausbildung. Wichtig sind hierbei neben der Kommunikation mit dem Laufbahnberater auch die Kommunikation mit Vorgesetzten eines Betriebes oder auch den Professoren. Wenn ihr Leistungssport betreibt und dies während eines Studiums oder einer Ausbildung, sollte der Vorgesetzte das wissen. Mit der Unterstützung der Sporthilfe und einem guten Zeitmanagement des Athleten lassen sich Studium oder Ausbildung mit dem Leistungssport erfolgreich verbinden.

Lennard:

Nach meinem Abitur versuchte ich mich zunächst am Studium. Ich probierte verschiedene Fächer aus, um mir ein Bild zu machen, was mir gefallen könnte, allerdings verlief das nicht besonders erfolgreich. Somit entschied ich mich für eine Ausbildung zum Industriekaufmann, da ich so einer breitgefächerten Ausbildung viele Einblicke in die Arbeitswelt bekommen konnte. Es war sicherlich nicht immer leicht, einen Job und Leistungssport unter einen Hut zu bringen, da beides sehr zeitintensiv ist. Aber mit viel Disziplin und Ehrgeiz ist es machbar. Mittlerweile habe ich die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und denke über ein möglichst flexibles duales Studium beim gleichen Arbeitgeber nach. Dafür befinde ich mich in enger Absprache mit meinem Laufbahnberater Frank Grimm und meinem Arbeitgeber.

Beruf

Jan-Niclas:

Dadurch, dass ich meine Karriere 2018 beendet habe, bin ich nun etwas flexibler was mein Studium angeht. Der mentale Aspekt mit dem geliebten Sport aufzuhören war nicht einfach zu verarbeiten, aber es sind durchaus zeitliche Vorteile nach dem Leistungssport, welche sich nun auch in meinen Noten widerspiegeln. Neben dem Studium bin ich als Werksstudent in der Marktforschung tätig.

Lennard:

Derzeit arbeite ich in dem Unternehmen, in dem ich meine Ausbildung absolviert habe. In der Abteilung Marketing, genauer Kommunikation und Trade Marketing. Zurzeit noch in Vollzeit, aber sobald mein Studium losgeht werde ich auf weniger Stunden gehen.

Karriere und Leistungssport zu verbinden ist nicht ganz stressfrei. Der Unterschied zwischen Ausbildung und Beruf ist ein großer Schritt. Mehr Verantwortung, mehr Projekte, mehr Arbeit. Allerdings macht dies natürlich sehr viel Spaß. Trotzdem wird es zeitaufwendiger und die Trainingszeiten möchte ich auch nicht reduzieren. Alles in allem bleibt weniger Zeit. Somit braucht man ein besseres Zeitmanagement. Auch diese Herausforderung pendelt sich nach einer gewissen Zeit ein und man stärkt sich in dieser Kompetenz.

Unterstützung und was ich anderen Sportler raten würde

Jan-Niclas:

Während meiner gesamten Sportlerkarriere konnte ich immer auf die Unterstützung meiner Eltern und meines Trainers zählen. Auch der Olympiastützpunkt, insbesondere meine Laufbahnberaterin, stand mir immer zur Seite. Insbesondere seit Baseball olympisch ist, erkenne ich eine enorme Unterstützung.

Jungen Sportlern kann ich nur raten, dass ein Schulabschluss von großer Bedeutung ist und er sollte erlangt werden, ob auf einem Sportinternat oder auf einer „normalen“ Schule. Werdet euch über die Optionen bewusst und denkt langfristig. Habt Spaß an eurem Sport und setzt euch Ziele für die ihr kämpfen müsst. Rückblickend wäre ich auf ein anderes College gegangen, wo ich bessere Chancen auf eine professionellere Entwicklung gehabt hätte. Ich muss sagen, dass mir das Bewusstsein der Chance auf das Profidasein früher in den Sinn hätte kommen sollen.

Lennard:

Ich kann viele Leistungen bei uns am Stützpunkt in Anspruch nehmen. Ich trainiere sehr viel auch abseits vom Baseballplatz, u.a. mit unseren Athletiktrainern vom Olympiastützpunkt. Das Training im Fitnessstudio hilft mir sehr viel, um fit und gesund zu bleiben. Als Sportler bewegt man sich oft auf einem schmalen Grat zwischen Top-Leistung und Verletzungsgefahr, deshalb ist die Verletzungsprävention im Fitnessstudio unheimlich wichtig. Zudem werden wir von einer Physio-Praxis betreut, wo ich die Möglichkeit habe, mich 2x pro Woche behandeln zu lassen. Allerdings fehlt hier manchmal die Zeit zu. 

Jungen Sportlern kann ich nur raten, dass sie sowohl die Zeit mit Freunden genießen sollen, als auch viel Spaß an ihrem Sport bzw. ihrer Leidenschaft haben sollen. Ein gutes Zeitmanagement ist bei einer dualen Karriere extrem wichtig und man sollte auf Unterstützung wie die des Olympiastützpunktes zurückgreifen. Rückblickend hätte ich alles genauso gemacht. Ich bin unheimlich glücklich wie alles gelaufen ist und was ich für Möglichkeiten durch meinen Sport bekomme.

Zur Website Duale Karriere >>>

(Quelle: DOSB)


  • Jan-Niclas (re.) und Lennard Stöcklin haben Studium und Ausbildung erfolgreich mit ihrer Baseball-Karriere verbunden. Foto: Frank Grimm
    Jan-Niclas (re.) und Lennard Stöcklin haben Studium und Ausbildung erfolgreich mit ihrer Baseball-Karriere verbunden. Foto: Frank Grimm

Diese Webseite nutzt Cookies

Wir verwenden auf unserer Webseite Cookies, um Inhalte zu personalisieren, die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren und somit unser Angebot zu verbessern. Wir erheben dabei nur pseudonyme Daten, eine Identifikation erfolgt nicht. Ferner geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Webseite an unsere Partner für Werbung und Analyse weiter.